Toxic!

Von Lino

Fiesta, Fiesta Mexicana
Bald schon wird es hell, denn der Morgen ist nah
Und ich küsse Carmen Sita
Denn ich weiß, die Stunde des Abschieds ist da
Weine nicht, muß ich auch geh‘n
Weil wir uns ja wiederseh‘n
Bei einer Fiesta, Fiesta Mexicana
Dann wird alles wieder so schön, wie es mal war

HOSSA!

Rex Gildo – Fiesta Mexicana

„Bitte küssen sie keine MexikanerInnen!“ Das ist mit das Erste, was wir lesen, als wir am Flughafen in Mexiko City ankommen. Was der verstorbene Rex Gildo in einer hypnotischen Mischung aus Mariachi-Trompeten und einem alptraumhaften Mitklatsch-Refrain besang, soll uns hier also verwehrt bleiben? Wenn man dem Schild glauben schenken darf, ist diese Maßnahme notwendig um eine Influenza einzudämmen. Wenn man einem betrunken Mexikaner Glauben schenkt, ist diese Influenza eine Erfindung der USA, respektive deren Pharma-Lobby. Und außerdem, wenn nach 10 Tequila noch irgendwelche Viren im Körper überlebt haben, ist die Menschheit sowieso verloren. Also kann man auch gleich noch einen 11. bestellen. HOSSA!

Wir sind im letzten Land dieser Tournee angekommen, wir sind wieder in Mexiko. Unsere letzten drei Wochen verbringen wir hier, und der Start ist natürlich in D.F., im Distrito Federal, einer der größten Metropolregionen der Erde. Wer etwas mehr über diese Stadt erfahren will, dem sei mein Blogeintrag vom letzten Jahr ans Herz gelegt (https://artiges.wordpress.com/2013/03/16/wo-die-wilden-lektorinnen-wohnen-in-mexiko/). Diesmal ist es keine Konferenz, die uns hier her geholt hat, sondern das Goethe-Institut, auf dessen Einladung wir Workshops und Fortbildungen geben. Und auf dessen Einladung wir eine Show spielen, in einem Saal, mit dem wohl coolsten Licht-Equipment der ganzen Tournee. D.F. macht es uns leicht, uns wieder neu in diese Stadt zu verlieben: Wir sind wieder in der Colonia Roma untergebracht, einem Viertel, in welchem das Hisptertum quasi zu Religion erhoben wird. Allerdings nicht im selben Hotel, in dem wir vor einem Jahr untergebracht waren, denn der Geist Montezumas soll immer noch dort herumspuken, und wir wollten keine schlafenden Hunde wecken. Unsere alten Freunde aus dem Goethe waren nur noch zum Teil da: Benjamin The Master of Light und Nils The only Punk with a Ph.D. haben es leider im Strudel der Arbeitsplatzpolitik nach Europa und Afrika verschlagen. Doch Charlie The Schlotte, Maru The Captain und Franka The Voice of Joy waren immer noch da und haben uns viele unvergessliche und leicht angeschwippste Stunden geschenkt! DSC04453Aber wir hatten auch noch Zeit neue Freunde zu finden, und die hatten es wirklich in sich: Complot/Escena, eine auf dem ganzen Kontinent bekannte mexikanische Improgruppe, hat sich unfassbar toll um uns gekümmert. Wir durften 20 Stunden nach unserer Ankunft und 2 Stunden nachdem wir uns kennengelernt hatten eine Show mit ihnen spielen. Es war der Hammer, vielen, vielen Dank.DSC04388

Unsere nächste Station war Guadalajara, die zweit größte Stadt nordwestlich von D.F. Eine wunderschöne Stadt mit einem tollen historischen Stadtkern und einem Hotel, das der Hofburg Konkurrenz macht in Sachen Opulenz und Flair. Die Reise von D.F. dorthin ist allerdings ziemlich erwähnungswürdig: Das Transportmittel unserer Wahl war der Bus. Sechs Stunden Fahrt. Aber dieser Bus war kein normaler Bus: Stellt euch die First Class in einem sehr teuren Flieger vor und setzt das ganze auf sechs Räder und ihr habt eine ungefähre Ahnung, wie wir gereist sind. Parkettboden, Sitze wie Massagesessel, sie sich fast komplett horizontal stellen ließen (natürlich elektrisch) und ein persönlicher Video-Bildschirm mit dutzenden von Filmen! Wenn sich die Wiener-Linien daran ein Beispiel nehmen würden, der 13A wär um einiges entspannter. Unsere Show war dieser Gigantomanie ebenbürtig, denn wir spielten vor dem wohl größten Publikum unserer künstlerischen Laufbahn. Über 400 Menschen im Publikum und 4 artige auf der Bühne! Hell, yeah! _MG_4822

Und danke an Klaus, Markus, Alex und all die anderen, die uns gezeigt haben, was ein Deutsch-Stammtisch in einer irischen Bar in einer mexikanischen Gr0ßstadt so alles anstellen kann. Und noch mal einen besonderen Dank an Alex (ein anderer, nicht unser Wahl-Argentinier), der uns die wohl beste Kneipe in ganz Mexiko gezeigt hat, die „Cantina“ La Fuente! Wenn man als Europäer irgendeine Vorstellung von einer mexikansichen Kneipe hat, dann ist es diese hier: Ein riesiger Raum mit hohen Decken, vollgestellt mit einfachen Stühlen und Tischen. In der Mitte ein uraltes Klavier. An der Bar bekommt man 5 verschiede Sorten Bier und 40 verschiedene Sorten Tequila. Sonst nichts! Es ist gerammelt voll mit Menschen. Teenager sitzen neben uralten Mexikanern mit Hüten, Geschäftsfrauen im Businessdress neben alten Frauen ohne Zähne im Mund aber mit 10 leeren Tequilagläsern vor sich.  Und dann, wenn man gerade herausgefunden hat, dass der Typ neben einem sich unsterblich in dich verliebt hat, weil du ihn an seinen Ex-Freund erinnerst, ja dann kommt eine 10 Mann starke Mariachi-Band in den Saal gelaufen, und fängt an Lieder zu spielen, die jeder und jede in dem Saal mitsingen kann.DSC04620

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Von Guadalajara geht es nun im Flugzeug nach Monterrey, der dritt größten Stadt, und dann ist unsere Tournee auch schon fast wieder vorbei. Doch es wartet noch ein kleines spannendes Gusto-Stückerl auf euch. Seid gespannt!

Hasta Luego!

Don’t Fear The Reaper

Von Lino

Neun Tage Guatemala City. Neun Tage, in denen so viel unterschiedliche Dinge passiert sind, das es schwierig ist, sie alle in einem Eintrag thematisch zusammenzufassen. Aber hey, machen wir es einfach chronologisch, let’s see what happens.

Als wir aus El Salvador aufbrachen, uns in den Bus setzten und die etwa 4 Stunden lange fahrt nach Guate City begann, war uns etwas mulmig zumute. Immer wieder wenn wir erzählten, dass unsere nächste Station die Hauptstadt Guatemalas sein würde, kamen nicht gerade erbauliche Kommentare der Sorte: „Na hoffentlich ist euer Hotel schön, rausgehen könnt ihr ja nicht, viel zu gefährlich.“ Mittlerweile waren wir aber schon seit zwei Wochen in Zentralamerika unterwegs, haben Tegucigalpa überlebt (obwohl ein gewisser Pudel kurz davor war, das Zeitliche zu segnen, aber lassen wir das), und San Salvador war überraschend sicher und offen. Trotzdem, die Mulmigkeit war da, allen bisherigen Erfahrungen zum Trotz.

Der Grenzübergang zwischen El Salvador und Guatemala war zumindest schon einmal der seltsamste auf dieser Reise: Etwa 100 Meter vor der Grenze stoppte der Bus und wir alle mussten aussteigen, zu Fuß zum Grenzposten laufen, unseren Stempel abholen und wieder zurück zum Bus gehen. Dieser Gang wurde flankiert von Straßenständen und -händlern aller Couleur. Der herausragendste jedoch war ein CD-Händler, der mit seinen selbst gebrannten Platten und einer abenteuerlich zusammengebastelten Sound-Anlange die Grenze unter dem Motto „Die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute!“ beschallte. Und als wir die staubige Straße zurück zum Bus gingen, während die Sonne heiß und erbarmungslos auf uns niederschien, kam er auf die Idee in ohrenbetäubender Lautstärke „Eye of the Tiger“ zu spielen. Sofort bewegten wir uns in slow motion und machten dies zum wohl lässigsten Grenzübergang ever! DSC04062Und als wir uns gerade wirklich fühlten, als wären wir der Cast eines Tarantino-Films, kam eben das, was bei Tarantino nach einer lässigen Szene kommt: die Gewalt. Nach weiteren zwei Stunden waren wir endlich da, wurden abgeholt wurden und saßen gerade einmal fünf Minuten im Auto, da kamen wir in einen Stau. „Ach, da ist wohl schon wieder jemand erschossen worden“, kam es von Claus, der uns fuhr und schon lange hier lebt. Und als wir langsam an der Polizeisperre vorbeirollten konnte man noch einen Mann unter einem  Tuch erkennen. Und eine Menge Blut. Keine 500 Meter weiter sah ich aus dem Autofenster wie ein Mann auf dem Bürgersteig einem anderen Mann eine Pistole an den Kopf hielt und ihn ausraubte, während eine Frau mit Kind seelenruhig an den beiden vorüberging. Ähm, können wir statt Tarantino bitte doch lieber, ich weiß nicht, Til Schwaiger, haben?

Mehr Facts über Guatemala City gefällig? Die Stadt besteht aus 25 Zonen, in etwa so wie Wien in Bezirke eingeteilt ist. Einige Zonen sind No-Go-Areas, andere sind relativ sicher. Es werden pro Tag (!) etwa 500 Handys gestohlen. Dies geschieht, indem einfach auf der Straße eine wartende Autoschlange abgegangen wird, man kurz ans Fenster klopft, seine Pistole herzeigt, Handy und Geldbörse entgegennimmt und zum nächsten Auto weitergeht. Zur Grundausstattung eines guatemaltekischen Autos gehört ein altes Handy und eine Geldbörse mit etwas Kleingeld im Fach der Fahrertür, welche herausgegeben werden, sollte man mal wieder im Stau stehen. Und am Horizont die vielen immer noch aktiven Vulkane, keine 15 Kilometer von der Stadt entfernt.DSC04034Unser Hotel befindet sich in der Zone 1, also der Altstadt, in der aufgrund der Sicherheitslage so gut wie niemand mehr wohnt. Doch zu unserer Überraschung laufen unfassbar viele Menschen einfach auf der Straße rum. Lächeln. Machen Musik. Geben den Myriaden von Straßenkünstlern Geld oder Applaus. Sitzen herum und schlecken Eis oder knabbern Mangos. Äh, hallo? Es ist doch gefährlich hier… oder? „Na und“, scheinen die Leute sagen zu wollen, „das Wetter ist trotzdem schön und ich hab Lust auf ein Eis mit Mangostückchen!“ Es gilt halt auch hier: Der falsche Ort, zur falschen Zeit, und du hast Pech. Aber die anderen 99 Male ist diese Stadt wirklich sehr faszinierend!

Unsere Arbeit umfasste diesmal Workshops sowohl in der Deutschen Schule, im Instituto Alemán und auch – Trommelwirbel – in der österreichsichen Schule. Es ist schon ein sehr verwirrendes Gefühl wenn man, nach einem Frühstück, das aus frittiertem Bohnenmus mit Bananen besteht, eine staubige und gewundene Straße zu einer Schule fährt, die bewacht von Männern in Uniform mit Pumpguns und Pistolen eher einer Festung gleicht, und dort von einem Lehrer mit den Worten empfangen wird: „Grüß Gott, ich bin der Herr Magister, möchten’S vielleicht an Kaffee bevor Sie unsere Schüler kennenlernen? Da Herr Direktor kommt auch gleich und wird Sie a bisserl rumführn.“ DSC04059Es war eine tolle Arbeit an allen Schulen und am Institut, mit viel Theater und Musik und ein wenig Schmäh. Auch mit der Anzahl der Shows hat Guatemala bisher eine Spitzenposition bei unserer Reise inne: drei Shows, davon eine im Club Alemán, eine in einer Schule für Kinder in einem Armenviertel, unserem jüngstem Publikum bisher auf dieser Reise, für die eine Theateraufführung etwas ganz besonders ist (und dann noch eine, wo sie entscheiden können, was auf der Bühne passiert!).DSC04259Und zu guter Letzt eine mit unseren neuen Freunden, den Impronunciables. Sie sind die einzige Impro-Gruppe Guatemalas und spielen gerade wöchentlich ein Format namens Luces, Cámara ¡IMPRO!, ein improvisiertes Kurzfilm-Festival. Nach einem gemeinsamen Training luden sie uns ein, doch den Beitrag für den ausländischen Film zu improvisieren. Es war eine tolle Show und eine geniale Woche mit euch. Vielen, vielen Dank!DSC04196Ein Wort noch zu unserem Hotel, dem Pan American: Vor ungefähr 60 Jahren war es das beste und größte Hotel Guatemalas, in dem Botschafter ihre reichen Freunde unterbrachten und Bananenplantagen-Besitzer in vollem Luxus hausten. Doch die Stadt hat sich verändert und ist modern geworden, Handys, Flachbildschirme und Internet haben Einzug gehalten in die Welt. Doch nicht im Pan American! Hier hat man das Gefühl, wenn man in der Hotel-Lobby sitzt, könnte jeden Moment Hemingway auf einen Abstecher vorbeischauen, um einen Cuba Libre zu trinken. Der Fernseher braucht etwa 3 Minuten zum vorglühen, das Badezimmer ist ein Traum aus Messing und Porzellan und wenn man nach 11 Uhr abends noch ins Hotel will, bekommt man sehr böse Blicke zugeworfen. Eben richtig alte Schule, höchst sympathisch! Da die Lobby auch der einzige Ort im Hotel ist, an dem man eine vernüftige Internetverbindung bekommt, fräßt sich die tägliche Marimbamusik sowie die Panflötenversionen berühmter Klassiker der Filmgeschichte unaufhaltbar in den Schädel. (Gerade jetzt: „Tears in Heaven“ in einer Version mit 3 Panflöten und einem Pornofilm-Synthesizer.)

Aber der Kaffee ist lecker und die Menschen nett. Und so sitz ich hier, schreibe die letzten Zeilen dieses Eintrags und freu mich bereits auf Mexiko, unserem letzten Land dieser Tournee. Drei Städte in drei Wochen haben wir noch vor uns – genug Zeit also, dass Montezumas Rache* mal wieder einen von uns für die Sünden der spanischen Eroberer büßen lässt.

Hasta luego!

* Da die Eroberung Tenochtitláns, bei der Montezuma schließlich starb, dadurch begünstigt wurde, dass viele Eingeborene an der von den Europäern eingeschleppten Pockenkrankheit erkrankt waren und Montezuma einer Legende zufolge kurz vor seinem Tod einen Fluch ausgesprochen haben soll, alle Eindringlinge in seinem Land würden seine Rache zu spüren bekommen, spricht man bei dem Durchfall, an dem viele Touristen in Mittelamerika reisebedingt erkranken, in solchen Fällen (scherzhaft) von „Montezumas Rache“. (Quelle: Wikipedia)

Another Day in Paradise

Von Lino

 

Eine Pupusa ist eine Tortilla mit eingebackener Füllung. Es ist das Nationalgericht von El Salvador […]

Quelle: wikipedia.de

Pupusa. Pupusa. Puuupuusaaaa. Wie kann man ein Gericht nur so nennen? Wir haben mit diesem runden, gebackenen, fettigen Ding ja bereits in Honduras Bekanntschaft gemacht, doch als wir dies in einer der örtlichen Pupuserias [sic!] erwähnten, sahen uns die Kellner mit dem selben Blick an, den man bekommt, wenn man im Café Hawelka in Wien eine Weißweinschorle bestellt. Willkommen in El Salvador, der zweiten Station auf unserer kleinen Reise.

Dieses Land liegt eingezwängt zwischen Honduras und Guatemala und ist das kleinste seiner Art in Zentralamerika. Wir befinden uns zur Zeit in San Salvador, der Hauptstadt, in einem sehr netten Hotel, welches das Wasser der Dusche mit Solarenergie erwärmt und einen wunderschönen Garten besitzt, in dem wir uns gegenseitig fast umgebracht hätten. Das einzige Spiel, das wir auf unsere Tournee mitgenommen haben ist „Wizard“. Dieses Kartenspiel sollte eigentlich dazu dienen, uns zwischen unseren Fortbildungen und Shows ein wenig die Zeit zu vertreiben, hat aber letzendlich dazu geführt, dass der bloße Anblick einer „Zauberer-Karte“ reicht, das rechte Augenlied zucken zu lassen.DSC03920

Wenn wir allerdings gerade nicht dabei sind, uns gegenseitig mit psychologischer Kriegsführung während des Spiels zu zermürben (Meggis Taktik ist das Singen von Musical-Songs während sie uns einen Stich wegschnappt), dann befinden wir uns hauptsächlich an der Deutschen Schule San Salvador. Die liegt in Gehweite, hat ein eigenes Schwimmbecken mitten auf dem Schulhof (welches wir an einem heißen Nachmittag nach der Fortbildung auch ausgiebig benutzt haben), ein sehr nettes und spielfreudiges Kollegium und SchülerInnen, die bei einer Impro-Show so richtig laut und begeistert sind! Was will man mehr?DSC03999 Naja, vielleicht ein tolles Frühstück auf einem Vulkan, der einen Krater von anderthalb Kilometern Druchmesser hat? Danke an Paul, den Direktor der Deutschen Schule, für diese tolle Erfahrung. Oder ein Abend bei salchichas alemanas, Bratkartoffeln, Sauerkraut und Martini? Ein Abend, an dem sich Alex als veritable Jukebox deutschsprachiger Volkslieder entpuppte und Anne sich ihrer Wurzeln in der DDR erinnerte und sogleich deren Nationalhymne anstimmte. Wann hat man wohl zuletzt in San Salvador eine mehrstimmige Version von „Auferstanden aus Ruinen“ gehört? Rando und Michael, ihr seid der Hammer! Vielen Dank, dass ihr uns hier eine so unfassbar schöne Zeit ermöglicht habt.DSC04014

Und jetzt sitze ich an unserem letzten Abend hier in unserem Hotel und freue mich auf eine schöne Zeit in Guatemala. Es ist friedlich, die Vögel zwitschern, die Sonne geht langsam unter. Es ist fast zu friedlich. Dann plötzlich hört man in der Ferne die unverkennbare Melodie von „Ich gehör‘ nur mir“. Sie kommen näher. Sie wollen spielen… Gott steh uns bei!

Hasta luego!

Who let the dogs out?!

von Lino

True! – nervous – very, very nervous I had been and am; but why will you say that I am mad?”

Edgar Allan Poe, The Tell-Tale Heart

In dieser Geschichte wird der Protagonist vom einem schlagenden Herzen in den Wahnsinn getrieben, dem schlagenden Herzen eines Toten wohlgemerkt. Ich beginne diesen ersten Blogeintrag unserer neuen Tournee deswegen mit diesem Zitat, da wir in der letzten Woche teilweise in einem ähnlichen Zustand waren: Auch wir hörten etwas, das uns, naja sagen wir mal, etwas aus der Ruhe gebracht hat. Und zwar Tag und Nacht! Das Geräusch klang ungefähr so: WÄFF! WÄFF! WÄFF! Produziert hat dieses Geräusch folgendes Lebewesen:Gepetto

Sein Name ist Gepetto! Er ist ein Pudel, für diejenigen unter euch, die sich mit Hunderassen nicht so gut auskennen. Und er ist wahnsinnig. Wir lebten mit ihm für eine Woche in Tegucigalpa zusammen. Das liegt übrigens in Honduras, für diejenigen unter euch, die sich mit Geographie nicht so gut auskennen. Dort begann nämlich unsere Tournee, die uns diesmal durch Zentralamerika führen wird. Wieder einmal haben wir unsere Koffer gepackt und sind mit unserem Projekt „spielendDeutsch“ an Schulen und Instituten in 4 verschiedenen Ländern unterwegs. In Honduras beispielsweise am CCA, dem „Centro Cultural Alemán“. Honduras ist sowas wie der Bad Boy der zentralamerikanischen Länder. Man hört in Europa nicht wirklich viel von diesem Land und wenn doch, dann ist es meist die erschreckende Gewaltstatistik und Berichte über Drogenhandel und Bandenkriege. Unser Bild von der Hauptstadt ist geprägt von eingezäunten barrio seguros, sehr netten Menschen und, nun ja, einem Pudel.

Untergebracht waren wir bei Doris Palacios, einer sehr netten Dame, deren Sohn in Deutschland studiert, und die es gewohnt ist, Gringos bei sich einzuquartieren. Wir hatten eine wunderschöne Dachterasse, von der sich der Sonnenuntergang beobachten ließ, eine Küche, in der wir unser eigenes Essen kochen durften und jeden Morgen ein vorzügliches Frühstück. Wer sich allerdings noch nicht daran gewöhnt hatte, dass fremde Menschen im Haus umherliefen, war Gepetto. War Doris nicht daheim, lag er ruhig und entspannt herum und knabberte an seinem Cookie. (Er frisst ausschließlich Haferkekse.) Doch wenn sie da war, verwandelte er sich in ein unberechenbares, kläffendes Fellknäuel. Jede Bewegung, jeder Blick, ja sogar ein falsches Atmen wurde mit hyperaktiven Gebell quitiert. Man möchte ins Bad: WÄFF! Man holt sich Wasser: WÄFF! Man sagt ein Wort, was ihm nicht gefällt: WÄFF! Alex war gegen Ende hin schon so fertig mit den Nerven, dass er, ein überzeugter Vegetarier, am Tisch laut über ein Hunde-Gulasch mit Kochbananen nachdachte.

Umso schöner waren da unsere Workshops, Fortbildungen und die Show. Die Fortbildung gaben wir für die „UPN“, die Pädagogische Universität, und es ist immer wieder toll, wenn man mit jungen Lehrerinnen und Lehrern arbeitet, die am Anfang ihrer Karriere stehen und eine große Portion Idealismus in ihren Job mitnehmen. Auch die Workshops für die SchülerInnen des CCA waren ein voller Erflog. P1000563Und dann war da noch die Show, die erste auf der Tournee und gleich eine, die wir komplett auf Spanisch spielten. Um es euch noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Ich bin der Einzige der Gruppe, der kein Spanisch spricht. Natürlich hatten wir bei unserer letzten Tournee auch Shows, die wir komplett auf Spanisch gespielt haben, doch da hatte ich bereits einige Monate mit der Sprache zu tun gehabt. Jetzt war ich erst seit ein paar Tagen wieder mit der Sprache konfrontiert und hatte alles wieder vergessen. Dachte ich. Es ist unfassbar, was das Gehirn mit einem macht, wenn man vor über 50 Menschen auf der Bühne steht und weiß, man muss jetzt eine Stunde auf Spanisch improvisieren. Es verabschiedet sich einfach und geht einen Tee trinken. Was übrig bleibt, ist pure Inspiration. Die Show war großartig und das Publikum unfassbar kreativ. Ich will nur noch in Sprachen spielen, bei denen ich höchstens 10 Vokabeln kenne. Und auch für die anderen ist es immer eine tolle Herausforderung und eine große Überraschung, wie anders und frei man spielt, wenn man es in einer Fremdsprache macht. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an die Leiterin des CCA Doris und an Dagmar, die uns zusätzlich mit einem tollen Ausflug in die kleinen Dörfer um Tegucigalpa überrascht hat, um uns zu zeigen, wie schön dieses Land ist. Dort haben wir auch gelernt, dass die Flagge der sozialistischen Partei Honduras genau so aussieht wie die österreichische Nationalflagge. Was ihr jetzt daraus schließt, überlasse ich euch.Tegu

Und jetzt, nach einer 7 stündigen, kurvigen Busfahrt, bei der Meggi erst fast nicht ausreisen durfte, und danach mein Koffer von der Grenzpolizei sehr genau untersucht wurde, sitzen wir in einem wunderschönen Garten eines Öko-Hotels in San Salvador (der Hauptstadt von El Salvador, für diejenigen, die…) und freuen uns auf zwei Impro-Shows vor 180 Kindern und Jugendlichen und zwei Fortbildungen an der deutschen Schule. Das Wetter ist warm, das Essen frittiert und es kläfft kein druchgeknallter Pudel. Das Leben ist schön!

Autsch, du blöder Moskito, na warte ich, autsch, ok wo ist das Spray…

Hasta luego!

Like a rolling stone

Von Lino

Es ist mal wieder Zeit, den Staub von der Tastatur zu blasen und dieses kleine Reisetagebuch zu reaktivieren. Wir fliegen über den Atlantik, und landen in diesem kleinen Streifen von Land, der Nordamerika und Südamerika miteinander verbindet.Hier liegen Länder wie Honduras, El Salvador, Guatemala und etwas weiter nördlich auch noch Mexico. Und dort werden wir die nächsten 6 Wochen verbringen, an Schulen, Instituten und hoffentlich auch mal in einer Chilli-Plantage. Und wie immer könnt ihr hier unsere Schritte verfolgen, ganz einfach und ohne Hilfe von NSA, BND, Illuminaten oder dem fliegenden Spaghettimonster. Ich versuche so regelmäßig wie möglich zu schreiben, aber verzeiht mir, wenn manchmal mal ein paar Tage vergehen, ohne das ihr was von uns hört.

Wir artigen befinden uns momentan eher verstreut, aber immerhin noch auf dem selben Kontinent. Am Dienstag dann werden wir alle in Honduras sein und der Trip kann beginnen. Turn in, tune in, drop out!

tourneekarte

Wir lesen uns ganz bald!

Hasta luego

 

Im nächsten Leben wird alles anders

Von Lino

Indien: Hippies, Goa, Gandhi, Slums, Curry, Pakistan-Konflikt, religiöser Schmelztiegel, Verkehr, Bösel und Fellner.

Keiner von uns artigen war jemals da, aber irgendwie haben wir alle unsere eignen Vorstellungen davon. Sei es von Berichten unserer Freunde, die schon dort waren, aus Filmen oder aus den Nachrichten. Gute Sachen, schlechte Sachen, lustige Sachen und gruselige Sachen. Das Erste, was Indien uns zeigt, ist sein Klima. Um ein Uhr nachts steigen wir in Mumbai aus der Maschine und werden von einer Wand aus Hitze, Luftfeuchtigkeit und Smog empfangen. Schon ein Unterschied, wenn man tags zuvor noch einen Spaziergang auf den Schafberg bei milder Herbstluft in Wien getätigt hat. Wir wissen, dass wir von einem Fahrer des Goethe-Instituts abgeholt werden sollen, der ein Schild hochhält, auf dem unsere Namen stehen. Womit wir nicht gerechnet haben, dass sind die etwa 200 anderen Fahrer, welche beim Ausgang warten und ebenfalls Schilder hochhalten. (Hier wird mit Absicht nicht gegendert, Anm. d. Verf.). Nach zwei Runden suchen, auf denen wir uns fühlen, als wären wir bei einer sehr surrealen Variante von Herzblatt gelandet, finden wir ihn endlich. Und los geht es in den Stadtverkehr von Mumbai. Ach, ja und die fahren ja auf der „falschen“ Seite! Der Uhrzeit wird es geschuldet sein, dass der Verkehr nicht halb so schlimm war, wie wir angenommen hatten, doch bin ich der festen Überzeugung, dass das am häufigsten gewechselte Verschleißteil indischer Autos die Hupe sein muss. Wer braucht schon Blinker oder Spiegel oder Bremsen, wenn man die anderen Verkehrsteilnehmer einfach durch schiere akustische Reizüberflutung von der Straße vertreiben kann. Am Hotel angekommen sehen wir auch erstmals die andere Seite Mumbais. Zahlreiche Männer schlafen mitten am Gehsteig, teils auf dem Boden, teils nur mit einer Kartonunterlage, während 10 Meter weiter junge InderInnen in einer Cocktailbar feiern, und wir in unser, vom Institut bezahltes, Hotel einchecken. Willkommmen in Indien.

Wir haben eine zweiwöchige Mini-Tournee vor uns, bei der wir auf Einladung des Goethe-Instituts in Mumbai, Chennai und Bangalore Workshops und Fortbildungen für Lehrkräfte und SchülerInnen halten werden. Und mit Mumbai als erster Station haben wir auch gleich die volle Breitseite an Kulturschock, indischer Freundlichkeit, Armut, extremen Luxus und unfassbar gutem Essen auf einmal. Während ein leichter Jetlag die Gedanken etwas träger dahinziehen lässt als üblich, erkunden wir am Sonntag ein wenig die Stadt, besser gesagt unseren Bezirk. Das Goethe-Institut ist in gehweite und wir werden überaus freundlich und herzlich empfangen. Wir werden auch gleich zum Mittagessen begleitet, denn direkt vis-a-vie soll es ein vorzüglich thali geben, eine Art indisches all you can eat. Kleine Schüsselchen, die immer wieder mit Currys aufgefüllt werden, dazu Brot und Reis en masse. Es ist herrlich und liegt uns noch Stunden später im Magen.Thali

Und dann ist es auch schon Montag, unser erster Arbeitstag. So wie auch die folgenden Tage verbringen wir eigentlich unsere gesamte Zeit im Institut, wir geben Landeskundeworkshops, Impro-Workshops für über 100 SchülerInnen von 11 bis 27 und Fortbildungen für LehrerInnen. Aber wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man mit einem Haufen spielwütiger Menschen in die Tiefen des improvisierten Theaters eintaucht. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an euch alle, die uns in dieser Woche in Mumbai ihr Vertrauen und ihre Kreativität geschenkt haben. Es war unbeschreiblich schön! Und danke für eure unfassbare Energie, die ihr uns bei der Show am Donnerstag geschenkt habt. Wir werden nie wieder eine Mars-Reise machen können, wenn ihr nicht auf uns aufpasst. Wir werden euch vermissen.Fortbildung

Hochzeit

Freitag morgen um 6 Uhr klingelt dann der Wecker, und ehe man sich versieht, sitzen wir schon wieder in einem Flugzeug. Es geht nach Bangalore, weiter gen Süden, und obwohl der Flug nur etwas mehr als eine Stunde dauert, werden wir informiert, dass an Bord über 6 verschiedene Sprachen gesprochen werden, u.a. Hindi, Urdu, Marathi, und sogar Konkani, wer hätte das gedacht. Es geht in das technologische Herz Indiens, in keiner anderen Stadt haben sich in den letzten 10 Jahren so viele IT-Unternehmen angesiedelt wie hier. Auf dem Weg zu unserem Hotel sehen wir mehr Sony-Stores, Samsung-Flagshipstores, Apple-Superflagshipstores und so weiter, als in allen anderen Städten, in denen wir jemals waren, zusammen. Und noch etwas anderes dominiert das Stadtbild: Motorikschas – kleine dreirädrige Taxis, die sich wie Ameisen durch den Stadtverkehr schlängeln. Und als ob das nicht schon Kontrast genug wäre, informiert uns die nette Dame an der Rezeption unseres Hotels, das heute Nacht auf dem Dach eine Deep House Party stattfinden würde. Wir lehnen dankend ab, es bleiben nur noch ein paar Stunden bis wir unsere nächste Show spielen. Angekommen im Goethe werden wir auch gleich in den Theatersaal geführt und dürfen uns über eine famose Lichtausstattung freuen: Parcans, Spotlights, Filter aller Art und zwei verdammt aufgeweckte Techniker. Später kommt heraus, dass beide selber Schauspieler sind und einer von ihnen sogar regelmäßig Impro spielt. Angeregt vom Farbenspiel auf der Bühne verlieren wir uns anschließend mit dem Publikum in traurigen, gruseligen und dramatischen Geschichten. Wer hätte je gedacht, dass es Exorzisten für bücherliebende Kinder gibt? Und wer hätte je gedacht, dass es in Bangalore eine (!) Impro-Gruppe gibt, die aus über 100 Mitgliedern besteht? Wir haben zwar nur eine Spielerin kennengelernt, aber wenn alle anderen 99 nur halb so sympathisch sind, dann muss deren Show eine unfassbare Party sein! Und jetzt ist es Samstag-Abend, 19:19 Ortszeit und wir haben gerade einen sehr schönen sechsstündigen Workshop mit fast 30 LehrerInnen aus dem Institut und Schulen der Umgebung gehalten. FortbildungMorgen ist Sonntag. Morgen haben wir frei. Kann man sich in Indien nicht so toll massieren lassen…?

Artig fährt nach Indien! 2 Wochen, 3 Städte und viel, viel zu erzählen.

Macht euch bereit!

The Times They Are A-Changin‘

Das Ende ist nah…

von Lino

Wir sitzen im Bus. Das ist ja an und für sich nichts Ungewöhnliches, gerade wenn man bedenkt, dass wir unsere letzten beiden Länder auf dieser Tournee, Argentinien und Brasilien, von Anfang an nur per Bus bereisen wollten. Was diese Busfahrt so besonders macht, ist, dass es keine Fahrt ist. Wir stehen bereits seit etwa 2 Stunden auf der Straße zwischen Curitiba und Blumenau. In einem Stau. Anscheinend gab es gleich zwei Unfälle und daher ist die Straße ziemlich verstopft, was sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern wird. Die anderen Fahrgäste und wir stehen dem aber relativ entspannt gegenüber, und wir haben bereits einen Professor für Antroposophie, Quantenmechanik und Pädagogik kennengelernt. Und während unsereins in den Büchern ließt, was Augusto Boal damals so gemacht hat, hat Jakob mit ihm auf den Straßen zusammen gegen die Militärjunta Theater gespielt. So ein Stau kann also auch sehr inspirierend sein, und daher nutze ich die Zeit, euch endlich mal wieder auf den neusten Stand zu bringen. Das letzte Mal, als ihr von uns gelesen habt, waren wir gerade in Villa General Belgrano angekommen, einer weiteren ehemaligen deutschen Kolonie in Argentinien. Und während in der Colonia Tovar in Venezuela noch ein mehr oder weniger einheitliches Bild badischer Volkskultur geboten wurde, war Belgrano ein buntes Konglomerat alpenländischer und mitteldeutscher Einflüsse. In der deutschen Schule spielten wir K.B.M. und gaben zwei Fortbildungen. K.B.M. ist schon etwas Besonderes. Nicht jede Schule hat ja einen Theatersaal, aber wir haben das Stück so konzipiert, dass wir es praktisch überall spielen können, solange wir einen, für die Kinder nicht einsehbaren, Backstage-Raum haben. Das stellt uns als SchauspielerInnen allerdings auch immer wieder vor Herausforderungen, denn meist kommen wir in einer Schule an, sehen den Auftrittsort zum ersten Mal und stehen eine Stunde später bereits auf der „Bühne“ vor 100 GrundschülerInnen. In Belgrano war es diesmal eine Turnhalle, mit 2 Türen in der hinteren Wand. Hinter einer war unser Backstageraum, von dem aus wir als kleine bunte Männchen auftauchen und auch wieder verschwinden. Leider sah die 2. Tür daneben ganz genauso aus wie die erste, war allerdings abgesperrt. Mein Charakter betritt normalerweise die Bühne, jagt Alex und den Kindern einen gehörigen Schreck ein, repariert eine zerbrochene Klarinette, singt ein Lied und verschwindet wieder. Diesmal habe ich absolut nicht verstanden, wer zum Kreuzgeier unsere Backstagetür zugesperrt hat, während ich auf der Bühne war. Etwa 30 Sekunden versuchte ich verzweifelt von der Bühne zu verschwinden, bis ich merkte, dass ich die ganze Zeit an der falschen Tür rüttelte. Meggi, die als zweite rauskommt, erging es ebenso, allerdings hat sie es geschafft, gleich die Klinke von der Tür abzureißen. Nur Anne war genügend vorgewarnt, und absolvierte souverän ihren Auf- und vor allem Abtritt. Nachdem wir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatten, ging es weiter nach Córdoba.Carlos

Dieses Städtchen mag den meisten nicht viel sagen, einer gewissen Gruppe von FußballanhängerInnen deutscher und österreichischer Herkunft jedoch bedeutet es überraschend viel. Die einen verbinden mit ihm den größten Sieg seit die Römer zurück über die Alpen getrieben wurden, die anderen, naja, sagen wir es so: „Das Wunder von Córdoba“ ist ein Film, der erst noch gedreht werden müsste. Wir empfanden die Stadt als überraschend schön. Nachdem wir unsere K.B.M.-Show und die Fortbildung für die LehrerInnen dort an der deutschen Schule gehalten hatten, lernten wir viele andere ImprospielerInnen kennen, besuchten ein Match de Impro und viele schöne Bars. Und während Alex die Gunst der Stunde nutzte, um mal eben kurz zurück nach Buenos Aires und zu seiner Rhythmik-Gruppe zu fahren, bestiegen wir einen Nachtbus, der uns nach Capiovi bringen sollte, einem sympathischen und verschlafenen Nest mitten in Misiones, der nordöstlichsten Region Argentiniens, direkt an der Grenze zu Brasilien und Paraguay. Dort war unser Hauptquartier für die nächsten Tage, denn sowohl in Capiovi als auch in Jardin America und Puerto Rico, 2 Städtchen wenige Kilometer entfernt, waren wir für Impro-Shows an Schulen gebucht.

CapioviDen Beginn machte die EPET Schule in Jardin America mit einer improvisierten Freiluftbühne auf dem Pausenhof. Der angereiste Tontechniker hatte für den Soundcheck seine eigene Reggaeton-Musik dabei und so entschieden wir uns kurzerhand, unsere Einlaufmusik ein wenig zu ändern. Am nächsten Tag hatten wir eine Show direkt in Capiovi, in einer sehr schönen und alten Gemeindehalle, die noch von deutschen Auswanderern in den 20er Jahren gebaut wurde. Bei dem Dia-Show-Spiel wurde Anne dann plötzlich zu Expertin eines lokalen Kartenspiels, das sie den SchülerInnen auf deren Wunsch erklärte. Nach dem Auftritt stellten wir alle überraschenderweise fest, dass sie tatsächlich die richtigen Regeln herbei improvisiert hatte, ohne jemals von dem Spiel gehört zu haben. Impro mit Gedankenlesen, jetzt neu von artig! Die letzte Show spielten wir dann in Puerto Rico, in einem wunderschönen alten Kinosaal. Nicht nur SchülerInnen waren im Publikum, sondern auch Einheimische aus der Stadt, von Kleinkind bis PensionistIn. Und nach dem das Publikum als Inspiration einer Alltagshandlung das Zubereiten eines Mates gewählt hatte und wir anfingen eine Szene zu improvisieren, in der ich nur durch einen Mate von einer schweren Infektion durch einen Gorilla-Käfer geheilt werden konnte, stand plötzlich ein Herr mit einem frisch zubereiteten Mate vor dem Bühnenrand und hielt ihn uns mit einem breiten Grinsen entgegen. Warum passiert sowas eigentlich nicht in Wien, wenn wir mal mit einem G`spritzten improvisieren?

Jardin America

Capiovi

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Danach führte uns unsere Tour nach Posadas, der Hauptstadt des Bezirkes Misiones, wo wir am Instituto Gutenberg gleich zwei Auftritte hintereinander hatten, morgens K.B.M., und nachmittags „artige Geschichten“. Den Abschluss bildete dann eine tolle und ausführliche Fortbildung mit TeilnehmerInnen aus Argentinien und Paraguay. Bevor wir Posadas den Rücken kehrten, wurden wir noch von allen Kulturweit-Mädels, die wir in Misiones kennengelernt hatten, zu einem tollen Chilli-Essen eingeladen. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle nochmal dafür!

KBM

artige Geschichten

Fortbildung

Nachdem wir in dieser Woche so viel kreative Arbeit geleistet hatten, wollten wir uns endlich auch mal wieder selber kreative Arbeit bewundern. Und was gibt es Eindrucksvolleres, als wenn die Natur selbst kreative Arbeit leistet. Zum Beispiel die Iguazu Wasserfälle; ein brodelnder Hexenkessel aus über 20 Wasserfällen, die sowohl eine brasilianische als auch argentinische Seite haben, die man bewundern kann. So verbrachten wir drei entspannte Tage in einem sehr netten Hostel mit einem Haufen lustiger Backpacker, entspannten uns ein wenig, und ließen uns von der Urgewalt der Wassermassen den Atem verschlagen!

Iguazu

Iguazu

Und nun sind wir auch arbeitstechnisch in Brasilien angekommen, unserem letzten Land, das wir bereisen. Während ich dies schreibe, sind wir dem anfangs erwähnten Stau bereits entkommen und wohlbehalten in Blumenau angekommen. Im Gegensatz zu den anderen ehemaligen deutschen Kolonien, die wir bereits besucht hatten, sprechen hier auch noch überraschend viele junge Menschen Deutsch. Aber da die Landessprache natürlich Portugiesisch ist, hatte Alex gestern seinen ersten Auftritt als Carlos, der mit den Kindern auf Portugiesisch spricht. Abgesehen von einigen Kicheranfällen, die wir drei anderen Backstage hatten, weil sich diese Sprache einfach wirklich knuddelig anhört, gerade wenn ein paranoider Musiker von bunten Männchen redet, die ihn verfolgen, lief die erste K.B.M.-Show in Brasilien wirklich gut. Alex ist übrigens der Einzige von uns, der halbwegs flüssig Portugiesisch spricht. Aber während Anne die Sprache wenigstens verstehen und ein wenig sprechen kann, Meggi einfach auf Rumänisch mit meidlinger Akzent umschaltet und so tut als wäre es Portugiesisch, bin ich hier wirklich aufgeschmissen. Aber was im Alltag nicht funktioniert, klappt auf der Bühne perfekt: unsere zwei letzten Improshow, in der wir auch auf Portugiesisch gespielt haben, endeten mit Standing Ovations!

Standing Ovations

artige Geschichten

Brasilien, wir sind da!

Hasta luego bzw. até logo!

Von groß nach klein – Welcome to the Suburbs!

von Lino

Ein kleines Rätsel: Es fallen die Blätter von den Bäumen. pollo wird hier nicht [pojo] ausgesprochen sondern [poscho]. Und ich laufe ständig mit einer Thermosflasche voll heißem Wasser umher. Na, wo sind wir gerade? Ja, ihr habt richtig geraten, Argentinien hat uns wieder! Nachdem hier unsere Reise gestartet hat, sind wir nach mittlerweile vier verschiedenen Ländern wieder „zuhause“. Aber jetzt werdet ihr voller Empörung aufschreien und sagen: „Halt, lieber Lino! Das letzte Mal als wir deinen Eintrag gelesen haben wart ihr doch gerade erst in Lima angekommen. Warum jetzt schon wieder Argentinien?“ Tranquilo, ich werde euch (fast) alles erzählen, was bis hier hin passiert ist.

Lima war toll! Eine wunderschöne Stadt, direkt am Meer gelegen, mit unglaublichen netten Menschen bevölkert und einem Nationalgetränk, das für alkohol-unerfahrene SchauspielerInnen (die wir ja natürlich sind) einige Überraschungen bereithält. Die Rede ist vom Pisco, einem dem Grappa ähnlichen Schnaps, der in Peru hauptsächlich in der Variante pisco sour getrunken wird. Ein Cocktail aus Pisco, Zitronensaft, Staubzucker und Eiweiß. Sehr lecker aber auch sehr, ähm, anregend. Ob es wohl an diesem Getränk liegt, dass Lima so impro-verrückt ist? Auf jeden Fall war unsere Show am Goethe-Institut ein voller Erfolg, fast 200 Leute sahen uns an dem Abend zu. Da Deutsch in Peru jedoch leider weder Mutter-, noch Minderheitensprache ist, haben wir ein Showkonzept entwickelt, indem etwa zu 75 % auf Spanisch improvisiert wird. Was mich persönlich dazu herausgefordert hat, mit meinen 5 Brocken Spanisch eine komplette Show zu spielen. Doch, ach, wie toll ist doch Improtheater, wo man selbst mit nur einem spanischen Wort (cualquiera) mithilfe meiner 3 Artigen eine komplette Szene spielen kann! Und wie genial ist es, wenn man auf der Bühne steht und merkt, wie viel Spanisch man eigentlich in den letzten zweieinhalb Monaten doch gelernt hat, ohne es zu merken. Das schönste Kompliment an dem Abend für mich persönlich war dann auch die Unterstellung, dass es doch wohl gelogen sei, dass bei der Anmoderation gesagt wurde, ich könne kaum Spanisch sprechen. That’s what we are teaching!

Goethe Institut Lima

Alsbald stiegen wir dann auch wieder in ein Flugzeug und machten uns auch den Weg nach Arequipa, einer Stadt im Süden von Peru. Bereits in der Gepäckhalle hörten wir lautes Rufen und Trommelmusik. Ach wie schön, dachten wir, da haben die tatsächlich eine große Willkommensparty für uns am Flughafen organisiert. Tatsächlich war die Party, mit etwa 30 singenden und feiernden Leuten und einer kompletten Band und Kreistänzen, nicht für uns, sondern für einen Jungen, der aus einem 3 monatigem Austausch in Deutschland zurückkam. Und daher ein Aufruf an alle unsere Wiener FreundInnen: Wenn wir nicht wenigstens eine eigene Band haben, wenn wir in Wien ankommen, sind wir sehr beleidigt. Aber dann wurde unsere Aufmerksamkeit von der Stadt selbst in Anspruch genommen. Der Misti, ein immer noch aktiver Vulkan, dominiert das Panorama einer wunderschönen Altstadt im Kolonialstil. (Oh Gott, ich schreibe schon wie ein Reiseführer… aber nicht ohne Grund.)

Mariachi

Arequipa

Auf Einladung des Centro cultural Aleman Peruano und der deutschen Schule Max Uhle gaben wir zwei Fortbildungen für die Lehrkräfte und spielten eine Show. Und eins muss man unseren Freunden in Arequipa lassen, von PR verstehen die wirklich was. Die ganze Stadt war gepflastert mit Plakaten, die unseren Auftritt ankündigten! Also lieber, Max Lottmann, deine Pressefotos von uns kennt jetzt jeder Mensch in Arequipa! Und nach einem Zeitungs- und Fernsehinterview durften wir dann eine kreuzgeniale Show vor über 260 Leuten spielen. Wenn man es schafft, zwei rappende Reggaeton-Mädels mit Beatboxunterstützung und ein reenactment von Sound of Music inklusive Schuhplatter-Einlage in ein und derselben Show unterzubringen, weiß man wieder, warum man so gerne Impro spielt.

Reggaeton

Reggaeton

Aftershow

Die Aftershow-Party stieg dann im Brujas, einer kleinen, aber feinen Kneipe, in der unsere Gesangstalente von der gespielten Musik, den Pisco Sour und den zwei sehr enthusiastischen argentinischen Gästen auf die Probe gestellt wurde. Meggi hat sich als wahre Jukebox erwiesen, und war bei jedem Lied von Maná und Reggaeton-Gangstern dermaßen textsicher, dass selbst unsere neuen argentinischen Freunde beeindruckt waren. Ein Wort noch zu der kulinarischen Verpflegung und Arequipa: Wir hatten von den Veranstaltern bestimmte Restaurants zugewiesen bekommen, in denen wir umsonst ein Menü essen konnten. Das erste war ein kleines französisches Crêpes-Lokal. Ich fühlte mich mal wieder experimentierfreudig und bestellte frohen Mutes einen Crêpes mit trucha, also Forelle. Leider war es nicht ganz mein Geschmack, und nach ein bis zwei Bissen musste ich das Essen stehenlassen. Für mich, der ja quasi in einem Restaurant großgezogen wurde, eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Anscheinend muss ich aber so peinlich berührt ausgesehen haben, dass sich die Kellnerin voller Sorge zu Anne runter beugte und sie fragte, „warum es denn dem Kleinen nicht geschmeckt habe, und ob sie mir was anderes bringen könne?“ Anne wurde kurzerhand zu meiner Mama, Alex zu meinem Papa und Meggi war meine große Schwester. Am nächsten Tag bekam ich dann von der Kellnerin auch ein Lätzchen zum Essen, mit einer lustigen Cartoon-Szene zum Ausmalen. Dass es nur gegen die Fettspritzer schützen sollte, die das Steak auf dem heißen Stein vor uns produzierte, glaube ich bis heute nicht. Wenigstens mussten die anderen auch alle eine tragen und Meggi bemalte sie auch fleißig. Und wer sich fragt, was die Namen Jutta, Brigitte, Kurt und Ulf zu bedeuten haben. Naja, wenn man wie wir, für Monate aufeinanderhockt und zusammen Theater macht, wird man eben etwas wunderlich. Wir haben uns alter egos kreiert, auf die wir immer mal wieder zurückgreifen. Ähnlichkeiten zur Familie Kellermann sind rein zufällig und nicht beabsichtigt… Es war wirklich eine schöne Zeit auf 2.300 Metern mit Vulkan, Hexen und Pisco!

El joven y su mama

Misti

Und dann machten wir uns wieder auf einen kleinen Reisemarathon: Von Arequipa nach Lima per Flugzeug. Von Lima nach Santiago de Chile ebenfalls mit dem Flieger. Ein paar Stunden Aufenthalt in Santiago und dann ab in den Bus nach Mendoza. Auf die Busreise freuten wir uns besonders, denn wir hatten das Beste vom Besten gebucht, mit Sitzen, die sich 180° nach hinten verstellen lassen. Doch leider gab es mitten in der Nacht die Grenze nach Argentinien, und damit wir einen hübschen Stempel in unserem Pass bekommen, mussten wir leider aussteigen. Doch die Fahrt ging bald weiter, um 5 Uhr morgens kamen wir in Mendoza an und verbrachten noch einen kleinen Morgenschlaf auf den Busbahnhofbänken in Begleitung von Kaffeeverkäufern und Hunden. Dort stiegen wir wieder in einen Bus und ab nach San Juan. Und da waren wir. Und das Erste was man und frau macht in Argentinien? Zum nächsten Supermarkt gehen und die Mate Vorräte aufstocken, die wir leider in Kolumbien zurücklassen mussten. Aber wer will auch schon mit einem Beutel getrocknetem Grünzeug nach Venezuela einreisen, wo doch ohnehin schon Meggis Koffer bei der Einreise vom Zoll mit einer Bohrmaschine bearbeitet wurde? In San Juan wurde unsere Impro-Show dann kurzfristig von der Schule in das Goethe-Zentrum verlegt und wir spielten eine kleinere, aber sehr feine Show vor einem bunt gemischten Publikum aus SchülerInnen, Einheimischen, LehrerInnen und ImprospielerInnen. Und jetzt sitzen wir hier in einer Ferienanlage in Villa General Belgrano, wieder einer deutschen Kolonie. Was uns erwartet, und ob  Alex hier endlich seine Volksmusikkarriere startet, lest ihr im nächsten Teil!

Miraflores

Hasta luego!

Drei Länder, drei Männchen und alles ist eins!

Von Lino

Entschuldigung. Nein, wirklich, ich entschuldige mich sehr. Über zwei Wochen wartet ihr bereits, jeden Tag schaut ihr hoffnungsvoll auf unseren Blog, um doch wieder und wieder enttäuscht zu werden. Aber jetzt ist es soweit, wirklich und endlich: Welcome to the zona cafetera! Äh, und Venezuela. Und, äh, also auch irgendwie Peru… Oh Mann, es ist wirklich viel passiert, seit dem letzten Eintrag. Also der Reihe nach:

Das Letzte, was ihr von uns wisst ist, das Alex, Meggi und ich in die zona cafetera fahren wollten, während Anne mit einem alten Bekannten die Karibikküste bereiste. Der Grund waren die Osterferien, in denen es für uns keine Arbeit gab. Während Anne also das Meer besuchte, fuhren wir anderen drei durch die wunderschöne Hügellandschaft Kolumbiens in die Kaffeeanbaugebiete, um mal eine Woche etwas auszuspannen. Unser Ziel hieß Salento, ein kleines Dörfchen umgeben von grünen Bergen und Palmen. Diesen Tipp hatten wir aus dem Lonely Planet, ein, wie es dort hieß, „abgeschiedenes ruhiges Dörfchen, in dem man/frau schlafen wird, wie ein Baby.“ Der Lonely Planet war allerdings von 2008 und mittlerweile hatte sich dieses „Dörfchen“ in der internationalen Backpacker-Szene bereits ziemlich rumgesprochen. Bereits bei unserer Ankunft schlug uns ein babylonisches Sprachgewitter entgegen und mehr Dreadlocks, Batikhosen und Fussknöchel-Bänder als an einem warmen Sommertag vor der BOKU wanderten die Straßen lang. Nachdem wir aber nun einen Monat lang hauptsächlich mit  Grundschulkindern und SprachlehrerInnen zu tun hatten, war diese Erfahrung mal was ganz anderes. Was ganz anderes war auch unsere Unterbringung in  der ersten Nacht. Da irgendwer unsere Reservierung im Hostel storniert hatte, wurden wir von der resoluten Herbergsmutter kurzerhand in der Garage untergebracht. Die erste Nacht in Salento verbrachten wir also ohne Fenster, getrennt von der Straße nur durch ein metallenes Garagentor und mit einer Holztür neben einem Bett, hinter der sich ein schwarzer und vermutlich endlos langer gruseliger Tunnel verbarg. Am darauffolgenden Tag fanden wir ein anderes Zimmer in einem weitaus schöneren Hostel und von da an hatten wir wirklich URLAUB! Und was macht man/frau im Urlaub? Ein Tagesprogramm von 8 Uhr morgens bis spät abends! Erster Tag: Besuch einer Kaffeeplantage, wo wir den Unterschied zwischen platanos-Bäumen und banano-Bäumen gelernt haben. Zweiter Tag: eine 7 Stunden Wanderung durch ein Naturreservat mit über 1000 Meter Höhenunterschied, Kolibris und viel aquapanela und Käse. Dritter Tag: ein Reitausflug. Ja, auf Pferden, und ja, die waren lebendig. Meggis Pferd sogar ein bisschen zu sehr, aber das kann sie ruhig auf private Anfrage erklären. Alles in allem eine erholsame Woche, die uns wirklich Lust und Kraft gegeben hat, uns frisch in die nächste Arbeitswochen zu stürzen.

Zona Cafetera

Kolibriberg

Pferde

Venezuela stand auf dem Programm. Sozialismus, Chavez und Erdöl. Ein Land, in dem eine Flasche Wasser doppelt so viel kostet wie ein voller Benzintank. Zuerst flogen wir nach Caracas und fuhren anschließend nach Valencia, einer größeren Stadt etwa 2 Stunden von Caracas entfernt. Dort fortbildeten und spielten wir am Colegio La Esperanza, einer kleinen, aber unglaublich sympathischen Schule. Untergebracht waren wir bei Gertrud und Toni, einem österreichischen Auswanderer-Ehepaar. Neben einer tollen Verpflegung gab es dort noch quakende Miniaturfrösche, Reiki-Behandlungen, Rückenmassagen, zelluläre Energieerneuerungen, Auspendelungen und Lichtreisen in einem Zelt. Ganz artig wurde energetisch dermaßen aufgeladen, dass wir bei unserer K.B.M.-Show von Lichtwesen umringt waren. Fotobeweis liegt vor! Danach ging es, mit einem kurzen Zwischenstopp in Chichereviche, zurück nach Caracas, wo wir am Goethe-Institut mit einer weiteren Fortbildung vertreten waren. Gleich darauf stiegen wir wieder ins Auto und fuhren in die Colonia Tovar, einer ehemaligen deutschen Kolonie. Man muss sich ein kleines Dörfchen im Schwarzwald vorstellen, komplett mit Fachwerkhäuschen und bunt gemalten Schildern, nur halt eben mitten in den venezolanischen Bergen. Ein Kulturschock im Kulturschock sozusagen. Und so wurden wir nach unserer K.B.M.-Aufführung im Gemeindesaal auch gleich von einer traditionellen Tanzgruppe aufgefordert, alte badische Volkstänze zu tanzen. Es war ein Fest, und für mich als Norddeutschen ist diese Kultur ja nicht weniger exotisch als Lateinamerika oder Fernostasien. Neben unserer künstlerischen Tätigkeit genossen wir noch ein exzellentes Essen im Restaurant Selva Negra und ein Photoshooting in Dirndl und Lederhosen. Beängstigender Weise stand die Tracht Alex dermaßen gut, das wir alle der Meinung sind, er sollte auf Volksmusiker umschulen und die Rhythmik an den Nagel hängen. Um 2 Uhr nachts klingelte dann der Wecker und ein Jeep hielt vor der Tür. Wir mussten zum Flughafen Caracas fahren, denn unser Flieger nach Bogota ging bereits um 7 Uhr morgens. Nach 5 Stunden Aufenhalt am Flughafen El Dorado, den wir mittlerweile ziemlich gut kannten, stiegen wir dann in eine geräumige Avianca-Maschine nach Lima.DSC07394

Und hier sitzen wir jetzt, in Lima, Miraflores, in Peru. Die erste K.B.M.-Aufführung haben wir bereits hinter uns, am Colegio Santa Cruz, einer Schule des Dominikaner-Ordens, der neben unserem Auftritt auch gleich noch die Ehre zuteil wurde, eine PASCH-Schule zu werden. Dementsprechend schön war die Stimmung, und als die Nonnen erfuhren, das Meggi mit vollem Namen Magdalena heißt, wollten sie uns gar nicht mehr gehen lassen. Ebenso wie die Kinder, die nach der Aufführung kurzerhand den improvisierten Backstage-Raum stürmten und Carlos und die kleinen bunten Männchen effektiv daran hinderten, wieder zu Alex, Anne, Meggi und Lino zu werden. Das ist einfach das schöne an Kindertheater, so ein unmittelbares und ehrliches Feedback bekommt man nirgendwo sonst. Die kommende Woche ist gefüllt mir K.B.M-Auftritten, Impro-Shows und Fortbildungen, bis es dann weiter-, oder besser zurückgeht nach Argentinien. Doch bis dahin bekommt ihr noch mindestens einen neuen Blogeintrag. Versprochen🙂DSC07588

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Hasta luego!