Archiv der Kategorie: Indien

Im nächsten Leben wird alles anders

Von Lino

Indien: Hippies, Goa, Gandhi, Slums, Curry, Pakistan-Konflikt, religiöser Schmelztiegel, Verkehr, Bösel und Fellner.

Keiner von uns artigen war jemals da, aber irgendwie haben wir alle unsere eignen Vorstellungen davon. Sei es von Berichten unserer Freunde, die schon dort waren, aus Filmen oder aus den Nachrichten. Gute Sachen, schlechte Sachen, lustige Sachen und gruselige Sachen. Das Erste, was Indien uns zeigt, ist sein Klima. Um ein Uhr nachts steigen wir in Mumbai aus der Maschine und werden von einer Wand aus Hitze, Luftfeuchtigkeit und Smog empfangen. Schon ein Unterschied, wenn man tags zuvor noch einen Spaziergang auf den Schafberg bei milder Herbstluft in Wien getätigt hat. Wir wissen, dass wir von einem Fahrer des Goethe-Instituts abgeholt werden sollen, der ein Schild hochhält, auf dem unsere Namen stehen. Womit wir nicht gerechnet haben, dass sind die etwa 200 anderen Fahrer, welche beim Ausgang warten und ebenfalls Schilder hochhalten. (Hier wird mit Absicht nicht gegendert, Anm. d. Verf.). Nach zwei Runden suchen, auf denen wir uns fühlen, als wären wir bei einer sehr surrealen Variante von Herzblatt gelandet, finden wir ihn endlich. Und los geht es in den Stadtverkehr von Mumbai. Ach, ja und die fahren ja auf der „falschen“ Seite! Der Uhrzeit wird es geschuldet sein, dass der Verkehr nicht halb so schlimm war, wie wir angenommen hatten, doch bin ich der festen Überzeugung, dass das am häufigsten gewechselte Verschleißteil indischer Autos die Hupe sein muss. Wer braucht schon Blinker oder Spiegel oder Bremsen, wenn man die anderen Verkehrsteilnehmer einfach durch schiere akustische Reizüberflutung von der Straße vertreiben kann. Am Hotel angekommen sehen wir auch erstmals die andere Seite Mumbais. Zahlreiche Männer schlafen mitten am Gehsteig, teils auf dem Boden, teils nur mit einer Kartonunterlage, während 10 Meter weiter junge InderInnen in einer Cocktailbar feiern, und wir in unser, vom Institut bezahltes, Hotel einchecken. Willkommmen in Indien.

Wir haben eine zweiwöchige Mini-Tournee vor uns, bei der wir auf Einladung des Goethe-Instituts in Mumbai, Chennai und Bangalore Workshops und Fortbildungen für Lehrkräfte und SchülerInnen halten werden. Und mit Mumbai als erster Station haben wir auch gleich die volle Breitseite an Kulturschock, indischer Freundlichkeit, Armut, extremen Luxus und unfassbar gutem Essen auf einmal. Während ein leichter Jetlag die Gedanken etwas träger dahinziehen lässt als üblich, erkunden wir am Sonntag ein wenig die Stadt, besser gesagt unseren Bezirk. Das Goethe-Institut ist in gehweite und wir werden überaus freundlich und herzlich empfangen. Wir werden auch gleich zum Mittagessen begleitet, denn direkt vis-a-vie soll es ein vorzüglich thali geben, eine Art indisches all you can eat. Kleine Schüsselchen, die immer wieder mit Currys aufgefüllt werden, dazu Brot und Reis en masse. Es ist herrlich und liegt uns noch Stunden später im Magen.Thali

Und dann ist es auch schon Montag, unser erster Arbeitstag. So wie auch die folgenden Tage verbringen wir eigentlich unsere gesamte Zeit im Institut, wir geben Landeskundeworkshops, Impro-Workshops für über 100 SchülerInnen von 11 bis 27 und Fortbildungen für LehrerInnen. Aber wie schnell die Zeit doch vergeht, wenn man mit einem Haufen spielwütiger Menschen in die Tiefen des improvisierten Theaters eintaucht. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an euch alle, die uns in dieser Woche in Mumbai ihr Vertrauen und ihre Kreativität geschenkt haben. Es war unbeschreiblich schön! Und danke für eure unfassbare Energie, die ihr uns bei der Show am Donnerstag geschenkt habt. Wir werden nie wieder eine Mars-Reise machen können, wenn ihr nicht auf uns aufpasst. Wir werden euch vermissen.Fortbildung

Hochzeit

Freitag morgen um 6 Uhr klingelt dann der Wecker, und ehe man sich versieht, sitzen wir schon wieder in einem Flugzeug. Es geht nach Bangalore, weiter gen Süden, und obwohl der Flug nur etwas mehr als eine Stunde dauert, werden wir informiert, dass an Bord über 6 verschiedene Sprachen gesprochen werden, u.a. Hindi, Urdu, Marathi, und sogar Konkani, wer hätte das gedacht. Es geht in das technologische Herz Indiens, in keiner anderen Stadt haben sich in den letzten 10 Jahren so viele IT-Unternehmen angesiedelt wie hier. Auf dem Weg zu unserem Hotel sehen wir mehr Sony-Stores, Samsung-Flagshipstores, Apple-Superflagshipstores und so weiter, als in allen anderen Städten, in denen wir jemals waren, zusammen. Und noch etwas anderes dominiert das Stadtbild: Motorikschas – kleine dreirädrige Taxis, die sich wie Ameisen durch den Stadtverkehr schlängeln. Und als ob das nicht schon Kontrast genug wäre, informiert uns die nette Dame an der Rezeption unseres Hotels, das heute Nacht auf dem Dach eine Deep House Party stattfinden würde. Wir lehnen dankend ab, es bleiben nur noch ein paar Stunden bis wir unsere nächste Show spielen. Angekommen im Goethe werden wir auch gleich in den Theatersaal geführt und dürfen uns über eine famose Lichtausstattung freuen: Parcans, Spotlights, Filter aller Art und zwei verdammt aufgeweckte Techniker. Später kommt heraus, dass beide selber Schauspieler sind und einer von ihnen sogar regelmäßig Impro spielt. Angeregt vom Farbenspiel auf der Bühne verlieren wir uns anschließend mit dem Publikum in traurigen, gruseligen und dramatischen Geschichten. Wer hätte je gedacht, dass es Exorzisten für bücherliebende Kinder gibt? Und wer hätte je gedacht, dass es in Bangalore eine (!) Impro-Gruppe gibt, die aus über 100 Mitgliedern besteht? Wir haben zwar nur eine Spielerin kennengelernt, aber wenn alle anderen 99 nur halb so sympathisch sind, dann muss deren Show eine unfassbare Party sein! Und jetzt ist es Samstag-Abend, 19:19 Ortszeit und wir haben gerade einen sehr schönen sechsstündigen Workshop mit fast 30 LehrerInnen aus dem Institut und Schulen der Umgebung gehalten. FortbildungMorgen ist Sonntag. Morgen haben wir frei. Kann man sich in Indien nicht so toll massieren lassen…?

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Artig fährt nach Indien! 2 Wochen, 3 Städte und viel, viel zu erzählen.

Macht euch bereit!

The Times They Are A-Changin‘

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