Archiv für den Monat Februar 2014

Another Day in Paradise

Von Lino

 

Eine Pupusa ist eine Tortilla mit eingebackener Füllung. Es ist das Nationalgericht von El Salvador […]

Quelle: wikipedia.de

Pupusa. Pupusa. Puuupuusaaaa. Wie kann man ein Gericht nur so nennen? Wir haben mit diesem runden, gebackenen, fettigen Ding ja bereits in Honduras Bekanntschaft gemacht, doch als wir dies in einer der örtlichen Pupuserias [sic!] erwähnten, sahen uns die Kellner mit dem selben Blick an, den man bekommt, wenn man im Café Hawelka in Wien eine Weißweinschorle bestellt. Willkommen in El Salvador, der zweiten Station auf unserer kleinen Reise.

Dieses Land liegt eingezwängt zwischen Honduras und Guatemala und ist das kleinste seiner Art in Zentralamerika. Wir befinden uns zur Zeit in San Salvador, der Hauptstadt, in einem sehr netten Hotel, welches das Wasser der Dusche mit Solarenergie erwärmt und einen wunderschönen Garten besitzt, in dem wir uns gegenseitig fast umgebracht hätten. Das einzige Spiel, das wir auf unsere Tournee mitgenommen haben ist „Wizard“. Dieses Kartenspiel sollte eigentlich dazu dienen, uns zwischen unseren Fortbildungen und Shows ein wenig die Zeit zu vertreiben, hat aber letzendlich dazu geführt, dass der bloße Anblick einer „Zauberer-Karte“ reicht, das rechte Augenlied zucken zu lassen.DSC03920

Wenn wir allerdings gerade nicht dabei sind, uns gegenseitig mit psychologischer Kriegsführung während des Spiels zu zermürben (Meggis Taktik ist das Singen von Musical-Songs während sie uns einen Stich wegschnappt), dann befinden wir uns hauptsächlich an der Deutschen Schule San Salvador. Die liegt in Gehweite, hat ein eigenes Schwimmbecken mitten auf dem Schulhof (welches wir an einem heißen Nachmittag nach der Fortbildung auch ausgiebig benutzt haben), ein sehr nettes und spielfreudiges Kollegium und SchülerInnen, die bei einer Impro-Show so richtig laut und begeistert sind! Was will man mehr?DSC03999 Naja, vielleicht ein tolles Frühstück auf einem Vulkan, der einen Krater von anderthalb Kilometern Druchmesser hat? Danke an Paul, den Direktor der Deutschen Schule, für diese tolle Erfahrung. Oder ein Abend bei salchichas alemanas, Bratkartoffeln, Sauerkraut und Martini? Ein Abend, an dem sich Alex als veritable Jukebox deutschsprachiger Volkslieder entpuppte und Anne sich ihrer Wurzeln in der DDR erinnerte und sogleich deren Nationalhymne anstimmte. Wann hat man wohl zuletzt in San Salvador eine mehrstimmige Version von „Auferstanden aus Ruinen“ gehört? Rando und Michael, ihr seid der Hammer! Vielen Dank, dass ihr uns hier eine so unfassbar schöne Zeit ermöglicht habt.DSC04014

Und jetzt sitze ich an unserem letzten Abend hier in unserem Hotel und freue mich auf eine schöne Zeit in Guatemala. Es ist friedlich, die Vögel zwitschern, die Sonne geht langsam unter. Es ist fast zu friedlich. Dann plötzlich hört man in der Ferne die unverkennbare Melodie von „Ich gehör‘ nur mir“. Sie kommen näher. Sie wollen spielen… Gott steh uns bei!

Hasta luego!

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Who let the dogs out?!

von Lino

True! – nervous – very, very nervous I had been and am; but why will you say that I am mad?”

Edgar Allan Poe, The Tell-Tale Heart

In dieser Geschichte wird der Protagonist vom einem schlagenden Herzen in den Wahnsinn getrieben, dem schlagenden Herzen eines Toten wohlgemerkt. Ich beginne diesen ersten Blogeintrag unserer neuen Tournee deswegen mit diesem Zitat, da wir in der letzten Woche teilweise in einem ähnlichen Zustand waren: Auch wir hörten etwas, das uns, naja sagen wir mal, etwas aus der Ruhe gebracht hat. Und zwar Tag und Nacht! Das Geräusch klang ungefähr so: WÄFF! WÄFF! WÄFF! Produziert hat dieses Geräusch folgendes Lebewesen:Gepetto

Sein Name ist Gepetto! Er ist ein Pudel, für diejenigen unter euch, die sich mit Hunderassen nicht so gut auskennen. Und er ist wahnsinnig. Wir lebten mit ihm für eine Woche in Tegucigalpa zusammen. Das liegt übrigens in Honduras, für diejenigen unter euch, die sich mit Geographie nicht so gut auskennen. Dort begann nämlich unsere Tournee, die uns diesmal durch Zentralamerika führen wird. Wieder einmal haben wir unsere Koffer gepackt und sind mit unserem Projekt „spielendDeutsch“ an Schulen und Instituten in 4 verschiedenen Ländern unterwegs. In Honduras beispielsweise am CCA, dem „Centro Cultural Alemán“. Honduras ist sowas wie der Bad Boy der zentralamerikanischen Länder. Man hört in Europa nicht wirklich viel von diesem Land und wenn doch, dann ist es meist die erschreckende Gewaltstatistik und Berichte über Drogenhandel und Bandenkriege. Unser Bild von der Hauptstadt ist geprägt von eingezäunten barrio seguros, sehr netten Menschen und, nun ja, einem Pudel.

Untergebracht waren wir bei Doris Palacios, einer sehr netten Dame, deren Sohn in Deutschland studiert, und die es gewohnt ist, Gringos bei sich einzuquartieren. Wir hatten eine wunderschöne Dachterasse, von der sich der Sonnenuntergang beobachten ließ, eine Küche, in der wir unser eigenes Essen kochen durften und jeden Morgen ein vorzügliches Frühstück. Wer sich allerdings noch nicht daran gewöhnt hatte, dass fremde Menschen im Haus umherliefen, war Gepetto. War Doris nicht daheim, lag er ruhig und entspannt herum und knabberte an seinem Cookie. (Er frisst ausschließlich Haferkekse.) Doch wenn sie da war, verwandelte er sich in ein unberechenbares, kläffendes Fellknäuel. Jede Bewegung, jeder Blick, ja sogar ein falsches Atmen wurde mit hyperaktiven Gebell quitiert. Man möchte ins Bad: WÄFF! Man holt sich Wasser: WÄFF! Man sagt ein Wort, was ihm nicht gefällt: WÄFF! Alex war gegen Ende hin schon so fertig mit den Nerven, dass er, ein überzeugter Vegetarier, am Tisch laut über ein Hunde-Gulasch mit Kochbananen nachdachte.

Umso schöner waren da unsere Workshops, Fortbildungen und die Show. Die Fortbildung gaben wir für die „UPN“, die Pädagogische Universität, und es ist immer wieder toll, wenn man mit jungen Lehrerinnen und Lehrern arbeitet, die am Anfang ihrer Karriere stehen und eine große Portion Idealismus in ihren Job mitnehmen. Auch die Workshops für die SchülerInnen des CCA waren ein voller Erflog. P1000563Und dann war da noch die Show, die erste auf der Tournee und gleich eine, die wir komplett auf Spanisch spielten. Um es euch noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Ich bin der Einzige der Gruppe, der kein Spanisch spricht. Natürlich hatten wir bei unserer letzten Tournee auch Shows, die wir komplett auf Spanisch gespielt haben, doch da hatte ich bereits einige Monate mit der Sprache zu tun gehabt. Jetzt war ich erst seit ein paar Tagen wieder mit der Sprache konfrontiert und hatte alles wieder vergessen. Dachte ich. Es ist unfassbar, was das Gehirn mit einem macht, wenn man vor über 50 Menschen auf der Bühne steht und weiß, man muss jetzt eine Stunde auf Spanisch improvisieren. Es verabschiedet sich einfach und geht einen Tee trinken. Was übrig bleibt, ist pure Inspiration. Die Show war großartig und das Publikum unfassbar kreativ. Ich will nur noch in Sprachen spielen, bei denen ich höchstens 10 Vokabeln kenne. Und auch für die anderen ist es immer eine tolle Herausforderung und eine große Überraschung, wie anders und frei man spielt, wenn man es in einer Fremdsprache macht. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an die Leiterin des CCA Doris und an Dagmar, die uns zusätzlich mit einem tollen Ausflug in die kleinen Dörfer um Tegucigalpa überrascht hat, um uns zu zeigen, wie schön dieses Land ist. Dort haben wir auch gelernt, dass die Flagge der sozialistischen Partei Honduras genau so aussieht wie die österreichische Nationalflagge. Was ihr jetzt daraus schließt, überlasse ich euch.Tegu

Und jetzt, nach einer 7 stündigen, kurvigen Busfahrt, bei der Meggi erst fast nicht ausreisen durfte, und danach mein Koffer von der Grenzpolizei sehr genau untersucht wurde, sitzen wir in einem wunderschönen Garten eines Öko-Hotels in San Salvador (der Hauptstadt von El Salvador, für diejenigen, die…) und freuen uns auf zwei Impro-Shows vor 180 Kindern und Jugendlichen und zwei Fortbildungen an der deutschen Schule. Das Wetter ist warm, das Essen frittiert und es kläfft kein druchgeknallter Pudel. Das Leben ist schön!

Autsch, du blöder Moskito, na warte ich, autsch, ok wo ist das Spray…

Hasta luego!

Like a rolling stone

Von Lino

Es ist mal wieder Zeit, den Staub von der Tastatur zu blasen und dieses kleine Reisetagebuch zu reaktivieren. Wir fliegen über den Atlantik, und landen in diesem kleinen Streifen von Land, der Nordamerika und Südamerika miteinander verbindet.Hier liegen Länder wie Honduras, El Salvador, Guatemala und etwas weiter nördlich auch noch Mexico. Und dort werden wir die nächsten 6 Wochen verbringen, an Schulen, Instituten und hoffentlich auch mal in einer Chilli-Plantage. Und wie immer könnt ihr hier unsere Schritte verfolgen, ganz einfach und ohne Hilfe von NSA, BND, Illuminaten oder dem fliegenden Spaghettimonster. Ich versuche so regelmäßig wie möglich zu schreiben, aber verzeiht mir, wenn manchmal mal ein paar Tage vergehen, ohne das ihr was von uns hört.

Wir artigen befinden uns momentan eher verstreut, aber immerhin noch auf dem selben Kontinent. Am Dienstag dann werden wir alle in Honduras sein und der Trip kann beginnen. Turn in, tune in, drop out!

tourneekarte

Wir lesen uns ganz bald!

Hasta luego

 

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