Archiv der Kategorie: Perú

Von groß nach klein – Welcome to the Suburbs!

von Lino

Ein kleines Rätsel: Es fallen die Blätter von den Bäumen. pollo wird hier nicht [pojo] ausgesprochen sondern [poscho]. Und ich laufe ständig mit einer Thermosflasche voll heißem Wasser umher. Na, wo sind wir gerade? Ja, ihr habt richtig geraten, Argentinien hat uns wieder! Nachdem hier unsere Reise gestartet hat, sind wir nach mittlerweile vier verschiedenen Ländern wieder „zuhause“. Aber jetzt werdet ihr voller Empörung aufschreien und sagen: „Halt, lieber Lino! Das letzte Mal als wir deinen Eintrag gelesen haben wart ihr doch gerade erst in Lima angekommen. Warum jetzt schon wieder Argentinien?“ Tranquilo, ich werde euch (fast) alles erzählen, was bis hier hin passiert ist.

Lima war toll! Eine wunderschöne Stadt, direkt am Meer gelegen, mit unglaublichen netten Menschen bevölkert und einem Nationalgetränk, das für alkohol-unerfahrene SchauspielerInnen (die wir ja natürlich sind) einige Überraschungen bereithält. Die Rede ist vom Pisco, einem dem Grappa ähnlichen Schnaps, der in Peru hauptsächlich in der Variante pisco sour getrunken wird. Ein Cocktail aus Pisco, Zitronensaft, Staubzucker und Eiweiß. Sehr lecker aber auch sehr, ähm, anregend. Ob es wohl an diesem Getränk liegt, dass Lima so impro-verrückt ist? Auf jeden Fall war unsere Show am Goethe-Institut ein voller Erfolg, fast 200 Leute sahen uns an dem Abend zu. Da Deutsch in Peru jedoch leider weder Mutter-, noch Minderheitensprache ist, haben wir ein Showkonzept entwickelt, indem etwa zu 75 % auf Spanisch improvisiert wird. Was mich persönlich dazu herausgefordert hat, mit meinen 5 Brocken Spanisch eine komplette Show zu spielen. Doch, ach, wie toll ist doch Improtheater, wo man selbst mit nur einem spanischen Wort (cualquiera) mithilfe meiner 3 Artigen eine komplette Szene spielen kann! Und wie genial ist es, wenn man auf der Bühne steht und merkt, wie viel Spanisch man eigentlich in den letzten zweieinhalb Monaten doch gelernt hat, ohne es zu merken. Das schönste Kompliment an dem Abend für mich persönlich war dann auch die Unterstellung, dass es doch wohl gelogen sei, dass bei der Anmoderation gesagt wurde, ich könne kaum Spanisch sprechen. That’s what we are teaching!

Goethe Institut Lima

Alsbald stiegen wir dann auch wieder in ein Flugzeug und machten uns auch den Weg nach Arequipa, einer Stadt im Süden von Peru. Bereits in der Gepäckhalle hörten wir lautes Rufen und Trommelmusik. Ach wie schön, dachten wir, da haben die tatsächlich eine große Willkommensparty für uns am Flughafen organisiert. Tatsächlich war die Party, mit etwa 30 singenden und feiernden Leuten und einer kompletten Band und Kreistänzen, nicht für uns, sondern für einen Jungen, der aus einem 3 monatigem Austausch in Deutschland zurückkam. Und daher ein Aufruf an alle unsere Wiener FreundInnen: Wenn wir nicht wenigstens eine eigene Band haben, wenn wir in Wien ankommen, sind wir sehr beleidigt. Aber dann wurde unsere Aufmerksamkeit von der Stadt selbst in Anspruch genommen. Der Misti, ein immer noch aktiver Vulkan, dominiert das Panorama einer wunderschönen Altstadt im Kolonialstil. (Oh Gott, ich schreibe schon wie ein Reiseführer… aber nicht ohne Grund.)

Mariachi

Arequipa

Auf Einladung des Centro cultural Aleman Peruano und der deutschen Schule Max Uhle gaben wir zwei Fortbildungen für die Lehrkräfte und spielten eine Show. Und eins muss man unseren Freunden in Arequipa lassen, von PR verstehen die wirklich was. Die ganze Stadt war gepflastert mit Plakaten, die unseren Auftritt ankündigten! Also lieber, Max Lottmann, deine Pressefotos von uns kennt jetzt jeder Mensch in Arequipa! Und nach einem Zeitungs- und Fernsehinterview durften wir dann eine kreuzgeniale Show vor über 260 Leuten spielen. Wenn man es schafft, zwei rappende Reggaeton-Mädels mit Beatboxunterstützung und ein reenactment von Sound of Music inklusive Schuhplatter-Einlage in ein und derselben Show unterzubringen, weiß man wieder, warum man so gerne Impro spielt.

Reggaeton

Reggaeton

Aftershow

Die Aftershow-Party stieg dann im Brujas, einer kleinen, aber feinen Kneipe, in der unsere Gesangstalente von der gespielten Musik, den Pisco Sour und den zwei sehr enthusiastischen argentinischen Gästen auf die Probe gestellt wurde. Meggi hat sich als wahre Jukebox erwiesen, und war bei jedem Lied von Maná und Reggaeton-Gangstern dermaßen textsicher, dass selbst unsere neuen argentinischen Freunde beeindruckt waren. Ein Wort noch zu der kulinarischen Verpflegung und Arequipa: Wir hatten von den Veranstaltern bestimmte Restaurants zugewiesen bekommen, in denen wir umsonst ein Menü essen konnten. Das erste war ein kleines französisches Crêpes-Lokal. Ich fühlte mich mal wieder experimentierfreudig und bestellte frohen Mutes einen Crêpes mit trucha, also Forelle. Leider war es nicht ganz mein Geschmack, und nach ein bis zwei Bissen musste ich das Essen stehenlassen. Für mich, der ja quasi in einem Restaurant großgezogen wurde, eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Anscheinend muss ich aber so peinlich berührt ausgesehen haben, dass sich die Kellnerin voller Sorge zu Anne runter beugte und sie fragte, „warum es denn dem Kleinen nicht geschmeckt habe, und ob sie mir was anderes bringen könne?“ Anne wurde kurzerhand zu meiner Mama, Alex zu meinem Papa und Meggi war meine große Schwester. Am nächsten Tag bekam ich dann von der Kellnerin auch ein Lätzchen zum Essen, mit einer lustigen Cartoon-Szene zum Ausmalen. Dass es nur gegen die Fettspritzer schützen sollte, die das Steak auf dem heißen Stein vor uns produzierte, glaube ich bis heute nicht. Wenigstens mussten die anderen auch alle eine tragen und Meggi bemalte sie auch fleißig. Und wer sich fragt, was die Namen Jutta, Brigitte, Kurt und Ulf zu bedeuten haben. Naja, wenn man wie wir, für Monate aufeinanderhockt und zusammen Theater macht, wird man eben etwas wunderlich. Wir haben uns alter egos kreiert, auf die wir immer mal wieder zurückgreifen. Ähnlichkeiten zur Familie Kellermann sind rein zufällig und nicht beabsichtigt… Es war wirklich eine schöne Zeit auf 2.300 Metern mit Vulkan, Hexen und Pisco!

El joven y su mama

Misti

Und dann machten wir uns wieder auf einen kleinen Reisemarathon: Von Arequipa nach Lima per Flugzeug. Von Lima nach Santiago de Chile ebenfalls mit dem Flieger. Ein paar Stunden Aufenthalt in Santiago und dann ab in den Bus nach Mendoza. Auf die Busreise freuten wir uns besonders, denn wir hatten das Beste vom Besten gebucht, mit Sitzen, die sich 180° nach hinten verstellen lassen. Doch leider gab es mitten in der Nacht die Grenze nach Argentinien, und damit wir einen hübschen Stempel in unserem Pass bekommen, mussten wir leider aussteigen. Doch die Fahrt ging bald weiter, um 5 Uhr morgens kamen wir in Mendoza an und verbrachten noch einen kleinen Morgenschlaf auf den Busbahnhofbänken in Begleitung von Kaffeeverkäufern und Hunden. Dort stiegen wir wieder in einen Bus und ab nach San Juan. Und da waren wir. Und das Erste was man und frau macht in Argentinien? Zum nächsten Supermarkt gehen und die Mate Vorräte aufstocken, die wir leider in Kolumbien zurücklassen mussten. Aber wer will auch schon mit einem Beutel getrocknetem Grünzeug nach Venezuela einreisen, wo doch ohnehin schon Meggis Koffer bei der Einreise vom Zoll mit einer Bohrmaschine bearbeitet wurde? In San Juan wurde unsere Impro-Show dann kurzfristig von der Schule in das Goethe-Zentrum verlegt und wir spielten eine kleinere, aber sehr feine Show vor einem bunt gemischten Publikum aus SchülerInnen, Einheimischen, LehrerInnen und ImprospielerInnen. Und jetzt sitzen wir hier in einer Ferienanlage in Villa General Belgrano, wieder einer deutschen Kolonie. Was uns erwartet, und ob  Alex hier endlich seine Volksmusikkarriere startet, lest ihr im nächsten Teil!

Miraflores

Hasta luego!

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Drei Länder, drei Männchen und alles ist eins!

Von Lino

Entschuldigung. Nein, wirklich, ich entschuldige mich sehr. Über zwei Wochen wartet ihr bereits, jeden Tag schaut ihr hoffnungsvoll auf unseren Blog, um doch wieder und wieder enttäuscht zu werden. Aber jetzt ist es soweit, wirklich und endlich: Welcome to the zona cafetera! Äh, und Venezuela. Und, äh, also auch irgendwie Peru… Oh Mann, es ist wirklich viel passiert, seit dem letzten Eintrag. Also der Reihe nach:

Das Letzte, was ihr von uns wisst ist, das Alex, Meggi und ich in die zona cafetera fahren wollten, während Anne mit einem alten Bekannten die Karibikküste bereiste. Der Grund waren die Osterferien, in denen es für uns keine Arbeit gab. Während Anne also das Meer besuchte, fuhren wir anderen drei durch die wunderschöne Hügellandschaft Kolumbiens in die Kaffeeanbaugebiete, um mal eine Woche etwas auszuspannen. Unser Ziel hieß Salento, ein kleines Dörfchen umgeben von grünen Bergen und Palmen. Diesen Tipp hatten wir aus dem Lonely Planet, ein, wie es dort hieß, „abgeschiedenes ruhiges Dörfchen, in dem man/frau schlafen wird, wie ein Baby.“ Der Lonely Planet war allerdings von 2008 und mittlerweile hatte sich dieses „Dörfchen“ in der internationalen Backpacker-Szene bereits ziemlich rumgesprochen. Bereits bei unserer Ankunft schlug uns ein babylonisches Sprachgewitter entgegen und mehr Dreadlocks, Batikhosen und Fussknöchel-Bänder als an einem warmen Sommertag vor der BOKU wanderten die Straßen lang. Nachdem wir aber nun einen Monat lang hauptsächlich mit  Grundschulkindern und SprachlehrerInnen zu tun hatten, war diese Erfahrung mal was ganz anderes. Was ganz anderes war auch unsere Unterbringung in  der ersten Nacht. Da irgendwer unsere Reservierung im Hostel storniert hatte, wurden wir von der resoluten Herbergsmutter kurzerhand in der Garage untergebracht. Die erste Nacht in Salento verbrachten wir also ohne Fenster, getrennt von der Straße nur durch ein metallenes Garagentor und mit einer Holztür neben einem Bett, hinter der sich ein schwarzer und vermutlich endlos langer gruseliger Tunnel verbarg. Am darauffolgenden Tag fanden wir ein anderes Zimmer in einem weitaus schöneren Hostel und von da an hatten wir wirklich URLAUB! Und was macht man/frau im Urlaub? Ein Tagesprogramm von 8 Uhr morgens bis spät abends! Erster Tag: Besuch einer Kaffeeplantage, wo wir den Unterschied zwischen platanos-Bäumen und banano-Bäumen gelernt haben. Zweiter Tag: eine 7 Stunden Wanderung durch ein Naturreservat mit über 1000 Meter Höhenunterschied, Kolibris und viel aquapanela und Käse. Dritter Tag: ein Reitausflug. Ja, auf Pferden, und ja, die waren lebendig. Meggis Pferd sogar ein bisschen zu sehr, aber das kann sie ruhig auf private Anfrage erklären. Alles in allem eine erholsame Woche, die uns wirklich Lust und Kraft gegeben hat, uns frisch in die nächste Arbeitswochen zu stürzen.

Zona Cafetera

Kolibriberg

Pferde

Venezuela stand auf dem Programm. Sozialismus, Chavez und Erdöl. Ein Land, in dem eine Flasche Wasser doppelt so viel kostet wie ein voller Benzintank. Zuerst flogen wir nach Caracas und fuhren anschließend nach Valencia, einer größeren Stadt etwa 2 Stunden von Caracas entfernt. Dort fortbildeten und spielten wir am Colegio La Esperanza, einer kleinen, aber unglaublich sympathischen Schule. Untergebracht waren wir bei Gertrud und Toni, einem österreichischen Auswanderer-Ehepaar. Neben einer tollen Verpflegung gab es dort noch quakende Miniaturfrösche, Reiki-Behandlungen, Rückenmassagen, zelluläre Energieerneuerungen, Auspendelungen und Lichtreisen in einem Zelt. Ganz artig wurde energetisch dermaßen aufgeladen, dass wir bei unserer K.B.M.-Show von Lichtwesen umringt waren. Fotobeweis liegt vor! Danach ging es, mit einem kurzen Zwischenstopp in Chichereviche, zurück nach Caracas, wo wir am Goethe-Institut mit einer weiteren Fortbildung vertreten waren. Gleich darauf stiegen wir wieder ins Auto und fuhren in die Colonia Tovar, einer ehemaligen deutschen Kolonie. Man muss sich ein kleines Dörfchen im Schwarzwald vorstellen, komplett mit Fachwerkhäuschen und bunt gemalten Schildern, nur halt eben mitten in den venezolanischen Bergen. Ein Kulturschock im Kulturschock sozusagen. Und so wurden wir nach unserer K.B.M.-Aufführung im Gemeindesaal auch gleich von einer traditionellen Tanzgruppe aufgefordert, alte badische Volkstänze zu tanzen. Es war ein Fest, und für mich als Norddeutschen ist diese Kultur ja nicht weniger exotisch als Lateinamerika oder Fernostasien. Neben unserer künstlerischen Tätigkeit genossen wir noch ein exzellentes Essen im Restaurant Selva Negra und ein Photoshooting in Dirndl und Lederhosen. Beängstigender Weise stand die Tracht Alex dermaßen gut, das wir alle der Meinung sind, er sollte auf Volksmusiker umschulen und die Rhythmik an den Nagel hängen. Um 2 Uhr nachts klingelte dann der Wecker und ein Jeep hielt vor der Tür. Wir mussten zum Flughafen Caracas fahren, denn unser Flieger nach Bogota ging bereits um 7 Uhr morgens. Nach 5 Stunden Aufenhalt am Flughafen El Dorado, den wir mittlerweile ziemlich gut kannten, stiegen wir dann in eine geräumige Avianca-Maschine nach Lima.DSC07394

Und hier sitzen wir jetzt, in Lima, Miraflores, in Peru. Die erste K.B.M.-Aufführung haben wir bereits hinter uns, am Colegio Santa Cruz, einer Schule des Dominikaner-Ordens, der neben unserem Auftritt auch gleich noch die Ehre zuteil wurde, eine PASCH-Schule zu werden. Dementsprechend schön war die Stimmung, und als die Nonnen erfuhren, das Meggi mit vollem Namen Magdalena heißt, wollten sie uns gar nicht mehr gehen lassen. Ebenso wie die Kinder, die nach der Aufführung kurzerhand den improvisierten Backstage-Raum stürmten und Carlos und die kleinen bunten Männchen effektiv daran hinderten, wieder zu Alex, Anne, Meggi und Lino zu werden. Das ist einfach das schöne an Kindertheater, so ein unmittelbares und ehrliches Feedback bekommt man nirgendwo sonst. Die kommende Woche ist gefüllt mir K.B.M-Auftritten, Impro-Shows und Fortbildungen, bis es dann weiter-, oder besser zurückgeht nach Argentinien. Doch bis dahin bekommt ihr noch mindestens einen neuen Blogeintrag. Versprochen 🙂DSC07588

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Hasta luego!

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