Archiv der Kategorie: Proben

Grün, grün, grün ist alles was wir haben!

Von Lino

Jetzt ist schon wieder was passiert! Ich wollte nämlich immer schon mal einen Text mit diesem berühmten Zitat von Wolf Haas beginnen. Erledigt! Aber was genau passiert ist, hat zum Glück wenig mit den Brenner Krimis zu tun: Es ist nämlich schon wieder eine Woche rum und damit auch Zeit für ein kleines Update für alle Daheimgebliebenen.

Fangen wir mit Buenos Aires an, der Stadt, die wir langsam immer besser kennenlernen. Zum Beispiel haben wir in der letzten Woche gelernt, das BA die Stadt der Hunde ist.  Wer jetzt aber von lateinamerikanischen Pauschalisierungen ausgeht, dass ich damit Straßenhunde meine, der oder die irrt sich. Nein, die porteños haben einfach unfassbar viele Hunde als Haustiere. An jeder Ecke sieht man mindestens einen Menschen mit Leine in der Hand, manchmal allerdings auch mit 15 Leinen plus entsprechenden Hunden am Ende. Wenn schon Hundesitter sein, dann aber auch ökonomisch arbeiten! Dass die Hunde dabei den gelangweilten Blick ihres Sitters perfekt nachahmen konnten, war eigentlich ein Bild für die Götter und natürlich diesen Blog. Leider hatten wir keine Kamera dabei. Ebenso wie der ältere, dickliche Herr ohne Haare, der einen perfekt frisierten weißen Pudel mit Haaren auf seinem Schoß liebkoste.

weiße HundeEs gibt wohl nur eine andere Sache, die die  porteños genauso lieben wie ihre vierbeinigen Begleiter und die man ebenso häufig sieht: die mates, kleine Trinkgefäße, die mit grünem yerba gefüllt sind und aus denen ein bombilla heraus schaut, ein Trinkhalm aus Metall mit einem Sieb am Ende. Dabei bezeichnet mate tatsächlich nur den Namen des Trinkgefäßes und nicht, wie in Europa oft angenommen, den Namen des Tees. Wie auch immer, das Zeug wird hier literweise getrunken, von allen Altersschichten, bei allen Gelegenheiten. Und auch wir haben die Vorzüge dieses bitteren Gebräus bereits erkannt. Gesünder als Kaffee, anregende Wirkung und nach dem 4. oder 5. Aufguss schmeckts auch gar nicht mehr so grausig. Und dass ich euch hier gerade um Mitternacht nach über 6 Stunden Probe noch einen Blogeintrag schreibe, ist auch dem Tee zu verdanken.

Wen übrigens noch interessiert, wie wir unser Wochenende verbracht haben, naja, euch sei so viel gesagt: Wir wissen jetzt, dass Schaumpartys in Österreich nicht ohne Grund verboten sind…

Aber neben dieser säubernden Erfahrung haben wir noch etwas anderes getan. Etwas, was wir schon längst hätten tun sollen, naja ICH hätte tun sollen: Wir haben angefangen Tangostunden zu nehmen. Meggi, Anne und meine Wenigkeit. Also macht euch auf was gefasst, wenn wir wieder da sind… Tango ist definitiv sehr artig!

Anderes Thema: Unsere Arbeit hier. Die Proben laufen super, das Stück ist jetzt so gut wie fertig, es wird nur noch an Details herumgeschraubt. Doch wie man weiß, der Teufel liegt da sehr oft und sonnt sich. Wer kennt nicht das schöne Kinderlied „Grün, grün grün sind alle meine Kleider“. Fast alle, oder? Jahaa aber dass dieses einfache Lied doch einige Tücken aufweist, vor allem gesangstechnisch und vor allem und hauptsächlich bei mir…  Aber Übung macht den Meistersinger von Buenos Aires. Und dann gibt es noch einige kleine technische Probleme zu lösen, zum Beispiel, wie man den Sender eines Mikrofons an einem Morphsuit befestigt, oder wie man eine energetische Probe abhält, wenn man und frau den Bauch voller Ravioli hat. Und dabei hat die eigentliche Tournee ja noch gar nicht begonnen und Premiere für das Stück ist auch schon in einer Woche. Als wir das realisiert hatten, ist der excitement-level gleich wieder einige Punkte nach oben geschnellt. Wir haben hier alles, außer Alltag!Proben Proben

Wir melden uns wieder, wenn die Kinder von Buenos Aires das erste Mal in ihrem Leben das Lied von Karl, dem Klarinettenkäfer gesungen haben! Oder vielleicht sogar schon früher.

Stay tuned und hasta luego!

P.S.: Dank an Irene und Dave für das tolle Care-Paket mit Süßigkeiten, das sie uns mitgegeben haben. Der Zuckerwatte-Kaugummi erfreut sich bei unseren Mädels äußerster Beliebtheit!

Kaugummi

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Una pausa, por favor, entschuldigung, once again!

Von Lino

Woche zwei. Gewitter Nummer zwei. Wochenende Nummer zwei. Alles haben wir bisher schon doppelt erlebt und doch ist so viel Neues dazugekommen. Am besten wir fangen mit dem Wochenende an: Nach einer Woche durchgehend Proben haben wir uns wirklich darauf gefreut, einfach mal nur zwei Tage nichts zu tun. Wobei „nichts“ stimmt so auch wieder nicht: Am Freitag sind wir direkt nach der Probe das erste Mal….

Stopp! Breaking News! Gerade eben (21:30) fangen sie unter uns an, auf der Straße rum zuschreien, dass irgendwas brennen würde. Ein Feuerwehrzug steht direkt vor unserem Haus, plus Polizei, plus einige Schaulustige. Anscheinend hat ein Grill im Innenhof gegenüber von uns Feuer gefangen. Wenn die Argentinier grillen, dann aber richtig! Da wird auch mal ein Auto mitgegrillt… Aber Entwarnung, alles ok, nichts ist passiert. Abgesehen von den Steaks, die jetzt wohl etwas zu durch sind.

Wo war ich? Ach ja, das erste Mal in einen Club gegangen. Der Club war ziemlich stilvoll, ein Wohnzimmerraum als Bühne und eine Art Wintergarten als Bar. Auf eine Große Leinwand über der Bar wurde Tim Burton’s Beetlejuice projiziert. Wir haben uns alle unsere Ration „Fernet con Cola“ an der Bar geholt und dann, tja dann sind wir nicht etwa tanzen gegangen oder haben angefangen uns unter die Einheimischen zu mischen, nein, wir wurden einfach so von dem Film gefesselt, dass wir ihn bis zum Ende angesehen haben. Als dann eine Indie-Band aus BA zu spielen angefangen hat, haben wir gemerkt, dass die Kombination aus einer Woche Probe, einer Temperaturveränderung von knapp 25 Grad zu Wien und kaltem Fernet ziemlich müde macht. Yeah!… Die Band war übrigens trotzdem ziemlich gut!

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen von Ausschlafen und Shakespeare. Momentan ist in BA ein Shakespeare-Festival, und Alex hat bei einer Produktion Musik gemacht. Ein Impro-Shakespeare-Stück. Shakespeare ist toll, selbst auf Spanisch und komplett improvisiert versteht man die Handlung mühelos: Alle intrigieren gegen alle, und am Ende überlebt nur einer, der sich deswegen umbringt.  Das Ganze noch open air vor der Skyline BA. Sehr schön. Und natürlich war die Musik großartig!

Sonntag dann der berühmte Markt in San Telmo: Über einen Kilometer Stände und VerkäuferInnen. Es wurde sich mit Tangomusik und Mafalda-Comics eingedeckt, lecker gegessen und als Abschluss ein Fernet getrunken. Und dann, ja dann kam es, das Gewitter Nummer zwei. Das erste war ja bereits in der Nacht unserer Ankunft, daher haben wir es ziemlich verschlafen. Aber dieses hier… Zentimeterhoch Wasser in den Straßen, Regengüsse, die einen wegschwemmen und weit und breit kein Taxi, das uns nach Hause und ins Trockene bringt. Also Beine in die Hand und los zur nächsten Busstation. Vom Bus dann in die U-Bahn und nach Hause. Dachten wir. Obwohl, Meggi und ich hatten Glück, unsere Linie fuhr noch, obwohl im ganzen U-Bahn-Schacht Wasser eindrang und ständig die sehr beunruhigende Meldung über die Lautsprecher kam, dass kein Grund zur Beunruhigung bestünde. Anne hatte weniger Glück: Ihre Linie war bereits weggeschwemmt und sie hatte eine Odysee homerischen Ausmaßes zu erleiden, ehe sie nach Hause kam. Alles, was nicht 25 Grad und blauer Himmel ist, stürzt die Stadt anscheinend ins Chaos.

Tango

Mafalda

Überschwemmung

Ein Wort noch zu den Proben, vor allem zu den babylonischen Sprachverwirrungen die dort mitunter herrschen. Ich spreche, wie wohl hinreichend bekannt, kein Spanisch. Matias, unser Regisseur kein Deutsch. Anne, Meggi und Alex dagegen fließend Spanisch und ich fließend Deutsch. Wir alle Englisch. Doch klappt das Verständnis unter einander trotzdem super, es wird einfach alles in allen Sprachen gesagt, und zwar von, tja, auch irgendwie allen. Das führt dann zu so schönen Satzkonstruktionen wie im Titel beschrieben. Aber hey, wir sind alle SchauspielerInnen, zur Not verständigen wir uns auch durch Schnalz- und Klacklaute! Die Proben laufen wirklich gut, wir haben mittlerweile durch viel Körperarbeit unsere Charaktere für K.B.M (Kleine bunte Männchen) fixiert. Teilweise sind sie ganz anders geworden, als wir es uns vorgestellt haben, was die Proben sehr spannend macht. Momentan sind wir dabei, die Lieder und Gedichte für das Stück zu entwickeln, was sehr viel Spaß macht.

Proben

Proben

Proben

Proben

Das wäre nun auch das Neuste aus Argentinien von uns, wir sind gespannt, was uns diese Woche erwartet. Und ihr werdet es dann zu lesen bekommen.

Hasta luego!

Mehr Hitchcock und weniger Pina Bausch

Von Lino

Eine Woche ist schon fast vorbei und wir fangen langsam an uns daran zu gewöhnen, dass hier die Sonne nicht nur 5 Stunden am Tag scheint, sondern 14. Dass hier 28 Grad dafür sorgen, dass jede Bewegung in einem Schweißausbruch endet und nicht – 3 Grad dafür sorgen, dass einem unter den 4 Schichten Kleidung ein bisschen wärmer wird. Das hört sich jetzt für euch in Wien oder Europa an wie das Paradies, aber lasst euch gesagt sein: Der Körper kommt mit so einer rasanten Umstellung auch nur bedingt klar. Wie gut, dass wir wir ja noch 3 1/2 Monate Zeit haben, uns daran zu gewöhnen.

Seit Montag proben wir jetzt täglich für K.B.M., immer von 18 bis 21 Uhr a in einem Tanzstudio, welches wir uns gemietet haben. Matías, unser Regisseur, arbeitet auf eine ganz wunderbare Weise mit uns. Da K.B.M. ja ein Kinderstück ist, und es generell mit wenig (deutscher) Sprache auskommt, ist die körperliche Arbeit umso wichtiger. Wir werden uns unserer Körper und Bewegungen immer bewusster und so kann es auch passieren, dass wir erarbeitete Bewegungsabläufe ganz „kinderstückuntypisch“ wie in einem Hitchcockfilm darstellen sollen. Alex hatte wohl an bestimmten Bewegungsabläufen zu viel Spaß, sodass Matías ihn sagte, ein bisschen weniger Pina Bausch würde auch reichen…

So langsam wird uns allen bewusst, was wir eh schon wussten aber wohl nicht richtig verstanden haben: Wir sind hier nicht im Urlaub! Wir haben einen ungemein straffen Zeitplan, der 3 Tage die Woche 6 Stunden Probe, und die anderen 2 Tage 3 Stunden Probe umfasst. Denn Ende Februar haben wir mit K.B.M. bereits Premiere hier in Buenos Aires und gleich danach die erste Impro-Show. Und dann beginnt es erst richtig stressig zu werden, wenn wir auf Tournee fahren.

Jetzt am Wochenende haben wir das erste Mal wirklich 2 Tage frei und können uns die Stadt richtig ansehen und erfahren, wie es sich hier lebt. Ich melde mich wieder, wenn wir das Wochenende hinter uns haben.

Hasta luego!

unser ERSTER K.B.M.-Probentag im Estudio Deja-Vu

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