Archiv der Kategorie: Venezuela

Drei Länder, drei Männchen und alles ist eins!

Von Lino

Entschuldigung. Nein, wirklich, ich entschuldige mich sehr. Über zwei Wochen wartet ihr bereits, jeden Tag schaut ihr hoffnungsvoll auf unseren Blog, um doch wieder und wieder enttäuscht zu werden. Aber jetzt ist es soweit, wirklich und endlich: Welcome to the zona cafetera! Äh, und Venezuela. Und, äh, also auch irgendwie Peru… Oh Mann, es ist wirklich viel passiert, seit dem letzten Eintrag. Also der Reihe nach:

Das Letzte, was ihr von uns wisst ist, das Alex, Meggi und ich in die zona cafetera fahren wollten, während Anne mit einem alten Bekannten die Karibikküste bereiste. Der Grund waren die Osterferien, in denen es für uns keine Arbeit gab. Während Anne also das Meer besuchte, fuhren wir anderen drei durch die wunderschöne Hügellandschaft Kolumbiens in die Kaffeeanbaugebiete, um mal eine Woche etwas auszuspannen. Unser Ziel hieß Salento, ein kleines Dörfchen umgeben von grünen Bergen und Palmen. Diesen Tipp hatten wir aus dem Lonely Planet, ein, wie es dort hieß, „abgeschiedenes ruhiges Dörfchen, in dem man/frau schlafen wird, wie ein Baby.“ Der Lonely Planet war allerdings von 2008 und mittlerweile hatte sich dieses „Dörfchen“ in der internationalen Backpacker-Szene bereits ziemlich rumgesprochen. Bereits bei unserer Ankunft schlug uns ein babylonisches Sprachgewitter entgegen und mehr Dreadlocks, Batikhosen und Fussknöchel-Bänder als an einem warmen Sommertag vor der BOKU wanderten die Straßen lang. Nachdem wir aber nun einen Monat lang hauptsächlich mit  Grundschulkindern und SprachlehrerInnen zu tun hatten, war diese Erfahrung mal was ganz anderes. Was ganz anderes war auch unsere Unterbringung in  der ersten Nacht. Da irgendwer unsere Reservierung im Hostel storniert hatte, wurden wir von der resoluten Herbergsmutter kurzerhand in der Garage untergebracht. Die erste Nacht in Salento verbrachten wir also ohne Fenster, getrennt von der Straße nur durch ein metallenes Garagentor und mit einer Holztür neben einem Bett, hinter der sich ein schwarzer und vermutlich endlos langer gruseliger Tunnel verbarg. Am darauffolgenden Tag fanden wir ein anderes Zimmer in einem weitaus schöneren Hostel und von da an hatten wir wirklich URLAUB! Und was macht man/frau im Urlaub? Ein Tagesprogramm von 8 Uhr morgens bis spät abends! Erster Tag: Besuch einer Kaffeeplantage, wo wir den Unterschied zwischen platanos-Bäumen und banano-Bäumen gelernt haben. Zweiter Tag: eine 7 Stunden Wanderung durch ein Naturreservat mit über 1000 Meter Höhenunterschied, Kolibris und viel aquapanela und Käse. Dritter Tag: ein Reitausflug. Ja, auf Pferden, und ja, die waren lebendig. Meggis Pferd sogar ein bisschen zu sehr, aber das kann sie ruhig auf private Anfrage erklären. Alles in allem eine erholsame Woche, die uns wirklich Lust und Kraft gegeben hat, uns frisch in die nächste Arbeitswochen zu stürzen.

Zona Cafetera

Kolibriberg

Pferde

Venezuela stand auf dem Programm. Sozialismus, Chavez und Erdöl. Ein Land, in dem eine Flasche Wasser doppelt so viel kostet wie ein voller Benzintank. Zuerst flogen wir nach Caracas und fuhren anschließend nach Valencia, einer größeren Stadt etwa 2 Stunden von Caracas entfernt. Dort fortbildeten und spielten wir am Colegio La Esperanza, einer kleinen, aber unglaublich sympathischen Schule. Untergebracht waren wir bei Gertrud und Toni, einem österreichischen Auswanderer-Ehepaar. Neben einer tollen Verpflegung gab es dort noch quakende Miniaturfrösche, Reiki-Behandlungen, Rückenmassagen, zelluläre Energieerneuerungen, Auspendelungen und Lichtreisen in einem Zelt. Ganz artig wurde energetisch dermaßen aufgeladen, dass wir bei unserer K.B.M.-Show von Lichtwesen umringt waren. Fotobeweis liegt vor! Danach ging es, mit einem kurzen Zwischenstopp in Chichereviche, zurück nach Caracas, wo wir am Goethe-Institut mit einer weiteren Fortbildung vertreten waren. Gleich darauf stiegen wir wieder ins Auto und fuhren in die Colonia Tovar, einer ehemaligen deutschen Kolonie. Man muss sich ein kleines Dörfchen im Schwarzwald vorstellen, komplett mit Fachwerkhäuschen und bunt gemalten Schildern, nur halt eben mitten in den venezolanischen Bergen. Ein Kulturschock im Kulturschock sozusagen. Und so wurden wir nach unserer K.B.M.-Aufführung im Gemeindesaal auch gleich von einer traditionellen Tanzgruppe aufgefordert, alte badische Volkstänze zu tanzen. Es war ein Fest, und für mich als Norddeutschen ist diese Kultur ja nicht weniger exotisch als Lateinamerika oder Fernostasien. Neben unserer künstlerischen Tätigkeit genossen wir noch ein exzellentes Essen im Restaurant Selva Negra und ein Photoshooting in Dirndl und Lederhosen. Beängstigender Weise stand die Tracht Alex dermaßen gut, das wir alle der Meinung sind, er sollte auf Volksmusiker umschulen und die Rhythmik an den Nagel hängen. Um 2 Uhr nachts klingelte dann der Wecker und ein Jeep hielt vor der Tür. Wir mussten zum Flughafen Caracas fahren, denn unser Flieger nach Bogota ging bereits um 7 Uhr morgens. Nach 5 Stunden Aufenhalt am Flughafen El Dorado, den wir mittlerweile ziemlich gut kannten, stiegen wir dann in eine geräumige Avianca-Maschine nach Lima.DSC07394

Und hier sitzen wir jetzt, in Lima, Miraflores, in Peru. Die erste K.B.M.-Aufführung haben wir bereits hinter uns, am Colegio Santa Cruz, einer Schule des Dominikaner-Ordens, der neben unserem Auftritt auch gleich noch die Ehre zuteil wurde, eine PASCH-Schule zu werden. Dementsprechend schön war die Stimmung, und als die Nonnen erfuhren, das Meggi mit vollem Namen Magdalena heißt, wollten sie uns gar nicht mehr gehen lassen. Ebenso wie die Kinder, die nach der Aufführung kurzerhand den improvisierten Backstage-Raum stürmten und Carlos und die kleinen bunten Männchen effektiv daran hinderten, wieder zu Alex, Anne, Meggi und Lino zu werden. Das ist einfach das schöne an Kindertheater, so ein unmittelbares und ehrliches Feedback bekommt man nirgendwo sonst. Die kommende Woche ist gefüllt mir K.B.M-Auftritten, Impro-Shows und Fortbildungen, bis es dann weiter-, oder besser zurückgeht nach Argentinien. Doch bis dahin bekommt ihr noch mindestens einen neuen Blogeintrag. Versprochen 🙂DSC07588

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Hasta luego!

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