Who let the dogs out?!

von Lino

True! – nervous – very, very nervous I had been and am; but why will you say that I am mad?”

Edgar Allan Poe, The Tell-Tale Heart

In dieser Geschichte wird der Protagonist vom einem schlagenden Herzen in den Wahnsinn getrieben, dem schlagenden Herzen eines Toten wohlgemerkt. Ich beginne diesen ersten Blogeintrag unserer neuen Tournee deswegen mit diesem Zitat, da wir in der letzten Woche teilweise in einem ähnlichen Zustand waren: Auch wir hörten etwas, das uns, naja sagen wir mal, etwas aus der Ruhe gebracht hat. Und zwar Tag und Nacht! Das Geräusch klang ungefähr so: WÄFF! WÄFF! WÄFF! Produziert hat dieses Geräusch folgendes Lebewesen:Gepetto

Sein Name ist Gepetto! Er ist ein Pudel, für diejenigen unter euch, die sich mit Hunderassen nicht so gut auskennen. Und er ist wahnsinnig. Wir lebten mit ihm für eine Woche in Tegucigalpa zusammen. Das liegt übrigens in Honduras, für diejenigen unter euch, die sich mit Geographie nicht so gut auskennen. Dort begann nämlich unsere Tournee, die uns diesmal durch Zentralamerika führen wird. Wieder einmal haben wir unsere Koffer gepackt und sind mit unserem Projekt „spielendDeutsch“ an Schulen und Instituten in 4 verschiedenen Ländern unterwegs. In Honduras beispielsweise am CCA, dem „Centro Cultural Alemán“. Honduras ist sowas wie der Bad Boy der zentralamerikanischen Länder. Man hört in Europa nicht wirklich viel von diesem Land und wenn doch, dann ist es meist die erschreckende Gewaltstatistik und Berichte über Drogenhandel und Bandenkriege. Unser Bild von der Hauptstadt ist geprägt von eingezäunten barrio seguros, sehr netten Menschen und, nun ja, einem Pudel.

Untergebracht waren wir bei Doris Palacios, einer sehr netten Dame, deren Sohn in Deutschland studiert, und die es gewohnt ist, Gringos bei sich einzuquartieren. Wir hatten eine wunderschöne Dachterasse, von der sich der Sonnenuntergang beobachten ließ, eine Küche, in der wir unser eigenes Essen kochen durften und jeden Morgen ein vorzügliches Frühstück. Wer sich allerdings noch nicht daran gewöhnt hatte, dass fremde Menschen im Haus umherliefen, war Gepetto. War Doris nicht daheim, lag er ruhig und entspannt herum und knabberte an seinem Cookie. (Er frisst ausschließlich Haferkekse.) Doch wenn sie da war, verwandelte er sich in ein unberechenbares, kläffendes Fellknäuel. Jede Bewegung, jeder Blick, ja sogar ein falsches Atmen wurde mit hyperaktiven Gebell quitiert. Man möchte ins Bad: WÄFF! Man holt sich Wasser: WÄFF! Man sagt ein Wort, was ihm nicht gefällt: WÄFF! Alex war gegen Ende hin schon so fertig mit den Nerven, dass er, ein überzeugter Vegetarier, am Tisch laut über ein Hunde-Gulasch mit Kochbananen nachdachte.

Umso schöner waren da unsere Workshops, Fortbildungen und die Show. Die Fortbildung gaben wir für die „UPN“, die Pädagogische Universität, und es ist immer wieder toll, wenn man mit jungen Lehrerinnen und Lehrern arbeitet, die am Anfang ihrer Karriere stehen und eine große Portion Idealismus in ihren Job mitnehmen. Auch die Workshops für die SchülerInnen des CCA waren ein voller Erflog. P1000563Und dann war da noch die Show, die erste auf der Tournee und gleich eine, die wir komplett auf Spanisch spielten. Um es euch noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Ich bin der Einzige der Gruppe, der kein Spanisch spricht. Natürlich hatten wir bei unserer letzten Tournee auch Shows, die wir komplett auf Spanisch gespielt haben, doch da hatte ich bereits einige Monate mit der Sprache zu tun gehabt. Jetzt war ich erst seit ein paar Tagen wieder mit der Sprache konfrontiert und hatte alles wieder vergessen. Dachte ich. Es ist unfassbar, was das Gehirn mit einem macht, wenn man vor über 50 Menschen auf der Bühne steht und weiß, man muss jetzt eine Stunde auf Spanisch improvisieren. Es verabschiedet sich einfach und geht einen Tee trinken. Was übrig bleibt, ist pure Inspiration. Die Show war großartig und das Publikum unfassbar kreativ. Ich will nur noch in Sprachen spielen, bei denen ich höchstens 10 Vokabeln kenne. Und auch für die anderen ist es immer eine tolle Herausforderung und eine große Überraschung, wie anders und frei man spielt, wenn man es in einer Fremdsprache macht. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle an die Leiterin des CCA Doris und an Dagmar, die uns zusätzlich mit einem tollen Ausflug in die kleinen Dörfer um Tegucigalpa überrascht hat, um uns zu zeigen, wie schön dieses Land ist. Dort haben wir auch gelernt, dass die Flagge der sozialistischen Partei Honduras genau so aussieht wie die österreichische Nationalflagge. Was ihr jetzt daraus schließt, überlasse ich euch.Tegu

Und jetzt, nach einer 7 stündigen, kurvigen Busfahrt, bei der Meggi erst fast nicht ausreisen durfte, und danach mein Koffer von der Grenzpolizei sehr genau untersucht wurde, sitzen wir in einem wunderschönen Garten eines Öko-Hotels in San Salvador (der Hauptstadt von El Salvador, für diejenigen, die…) und freuen uns auf zwei Impro-Shows vor 180 Kindern und Jugendlichen und zwei Fortbildungen an der deutschen Schule. Das Wetter ist warm, das Essen frittiert und es kläfft kein druchgeknallter Pudel. Das Leben ist schön!

Autsch, du blöder Moskito, na warte ich, autsch, ok wo ist das Spray…

Hasta luego!

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