Kaffee und Gold – Na, wo sind wir wohl gerade?

Von Lino

„Hey, es regnet!“ Wie oft wir diesen Satz in den letzten anderthalb Wochen gesagt haben, lässt sich sicher nicht mehr zählen. Willkommen in Kolumbien, liebe LeserInnenschaft. Macht euch bereit auf eine feucht-fröhlich-fiebrige Reise mit uns durch das Land des Goldes und Kaffees!Colombia

Begonnen hat alles vor etwas mehr als einer Woche, als wir Mexiko-Stadt den Rücken kehrten und uns in den Flieger nach Bogotá, Kolumbien gesetzt haben, von wo aus es gleich weiter nach Medellín ging. So hätte es zumindest sein sollen. Dachten wir. Falsch gedacht. Unseren letzten Abend in Mexiko wollten wir nämlich wirklich noch etwas genießen, vor allem da Meggi auf Grund den bereits beschrieben Rachegelüsten eines ehemaligen Aztekenkönigs die meiste Zeit darniederlag und ich meine alten Zivildienst-Skills wieder auspacken durfte.  Also wenigstens an unserem letzten Abend noch etwas feiern und  uns mit den üblichen Verdächtigen des Kongresses in einer netten Bar unweit unserer Hotels verabreden. Dort gab es sehr leckeren pulque zu trinken, einen fermentierten Agavensaft. Ein schleimiges, doch äußerst leckeres Gesöff. Man redete, trank, die Zeit floss dahin und wir erinnerten uns dann vage, dass wir am nächsten Morgen um halb 4 Uhr früh das Hotel verlassen mussten, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Nach einer bis drei Stunden Schlaf, abhängig vom jeweiligen artigen, schleppten wir uns also in das Taxi und freuten uns auf etwas Ruhe und Entspannung im Flugzeug nach Kolumbien. Als wir in der Lobby ankamen, waren wir schon etwas verspannt: Eine riesige Schlange vor unserem Abfertigungsschalter. Naja, kann passieren, genügend Zeit hatten wir auch eingeplant, also angestellt und durchgehalten. Nach etwa 45 Minuten und einer Fortbewegungsdistanz von etwa 30 Zentimetern wurden uns dann doch etwas mulmig. Alex ging an der Schlange vorbei zum Schalter, um sich die Sache mal näher anzuschauen und kam mit einem wahrhaft fürchterlichen Lächeln zurück: „Der Flug wurde gerade gecancelt. Alle Leute hier versuchen mit anderen, vollen Flugzeugen genau dahin zu kommen, wo wir morgen um 8h morgens einen Auftritt haben“ Strike! Nach weiteren 20 Minuten hektischem „Was machen wir denn jetzt?“ kam unsere Rettung. Und man mag es kaum glauben, doch ich schwöre es ist wahr, unsere Rettung war das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der UN, beziehungsweise eine Mitarbeiterin desselben, die hinter uns in der Schlange stand. Sie hatte keine Lust zu warten, bis sie einen neuen Flug zugelost bekam, sondern ging sich auf eigene Faust einen organisieren. Anne und Alex hängten sich einfach hintendran und wurden vom Fahrtwind ihrer Engagiertheit zu einem Terminal einer anderen Fluggesellschaft gezogen, an der wir uns dann, nach 4 Stunden Wartezeit (Und nur zur Erinnerung: 1-3 Stunden Schlaf) endlich einen Flug nach Medellín organisieren konnten. Über El Salvador. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass dieses Land überhaupt existiert. Allerdings ging dieser Flug erst in ein paar Stunden und mittlerweile waren wir alle WIRKLICH müde. Doch wenn man einfach mal fragt, was zum Geier man denn in der Wartezeit tun soll, dann geben einem die freundlichen Mitarbeiter einfach einen Gutschein für einen Aufenthalt in dem Flughafenhotel. Dort konnten wir dann, TACA sei Dank, endlich ein paar Stunden ausruhen, bevor wir den Flieger bestiegen. Nach dem Umstieg und einem ziemlich unruhigen Flug kamen wir dann um 1 Uhr nachts endlich in Medellín an. Diese Stadt ist ziemlich abgefahren. Mitten in einem Tal gelegen und ringsum von Bergen eingerahmt, ist hier immer Frühling. Es regnet so gut wie jeden Tag, es scheint aber auch jeden Tag die Sonne. Alles ist grün und bergig und feucht. Und noch etwas anderes hat diese Stadt bekannt gemacht. Pablo Escobar hat in den 80er Jahren diese Stadt zu einer der gefährlichsten der Welt gemacht. Doch das ist mittlerweile alles Geschichte. Unser Hotel war wunderschön und wir hatten einen tollen Ausblick über die Skyline. Doch wirklich viel Zeit diese zu genießen hatten wir nicht. Vier Stunden später hielt ein Taxi vor dem Hotel und brachte uns zu einer deutschen Schule in Copacabana wo wir:

1. eine viereinhalb Stunden Fortbildung hielten,

2. eine Improshow vor etwa 200 Schulkindern spielten

und 3. eine K.B.M-Show vorführten.

artige Geschichten spielendDeutsch Copacabana

Von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends waren wir an der wirklich schönen Schule; doch als wir abends ins Hotel zurückkamen waren wir gerädert, aber auch sehr stolz auf uns, denn alles lief wirklich richtig gut! Und so gönnten wir uns im Hotel einen kurzen Besuch im römischen Dampfbad und schlenderten ins Hotelrestaurant. Dort wollte ich mir das typische Nationalgericht bestellen, bandeja paisa. Quasi ein Gemisch aus Bohnen, Speck, Steak, Spiegelei, Kotletts, frittiertem Schweinespeck und einem Hauch Koriander. Es war 10 Uhr abends, ziemlich schwül, ich hatte 3 Stunden geschlafen und 11 Stunden theatrales Remmi-Demmi hinter mir. Der Kellner hat mir wahrscheinlich an diesem Abend das Leben gerettet, denn er weigerte sich schlichtweg meine Bestellung anzunehmen. Ach ja, immer diese Gringos….

Am nächsten Tag hatten wir eine Improshow im Auditorium der Deutschen Schule Medellín. Naja, Auditorium ist vielleicht das falsche Wort, vergleichbar war das Teil so in etwa mit dem Festsaal in der Hofburg. Ich saß im Technikstüberl ganz oben und konnte auf eine Vielzahl von bunten Spots und Verfolgern zurückgreifen, während die anderen drei unten vor etwa 250 Teenagern eine großartige Show ablieferten.

AuditoriumDSC06222

Von da mussten wir uns dann leider gleich auf den Weg zum Flughafen machen, um rechtzeitig in Bogotá anzukommen. Dort landeten wir ein einem großartigen Apartment, mit 4 Schlafzimmer, 6 Bädern und gefühlten 12 Flachbildfernsehern an den Wänden. Doch worüber freut man sich am meisten, wenn man auf Tournee ist? Über die Waschmaschine und den Trockner, die in der Küche bereitstanden. Endlich wieder frische Wäsche! Hier in Bogotá hatten wir einen Auftritt und eine Fortbildung im Goethe-Institut und kurioserweise habe ich dort auch eine alte Freundin aus Segeberg wieder getroffen. Tine arbeitet dort nämlich beim DAAD (wir erinnern uns: Deutscher Akademischer Austauschdienst, nicht zu verwechseln mit dem DaF, Oead, ÖKF, oder PASCH). Doch vor der Improshow hatten wir noch ein paar K.B.M.-Auftritte zu absolvieren. Sowohl in der Las Scalas Schule als im Colegio Andino. Beides Schule, an denen Deutsch unterrichtet wird. Und wir merkten, das wir uns wieder auf 2,600 Metern befanden. So viel rumrennen und dann noch singen…

K.B.M.

DSC06324

Fortbildung

artige Geschichten

Hier merkte ich auch das erste Mal ein unbestimmtes Kratzen im Hals, das bis zur Aufführung im Goethe immer schlimmer wurde. Eine Mandelentzündung war leider im Anmarsch und brach dann auch aus. Einzelheiten erspare ich euch jetzt, doch lasst euch gesagt sein: Penicillin-Spritzen sind KEIN Spaß, absolut nicht, oh nein. Meine Frage nach dem Erblicken des Mordinstruments: „Doctor, one question: Does this syringe hurt?“ „On a scale from 1 to 10? I’ll say 11! You will scream a lot.“ gefolgt von einem wirklich schadenfrohen Gelächter! Er hatte wohl  nicht so oft Gelegenheit Penicillin-Spritzen zu geben und freute sich über jede Gelegenheit!

Und nun sitzen wir hier am letzen Tag in Bogotá und ich schreibe diese Zeilen. Morgen geht es auf in die zona cafetera wo Alex, Meggi und ich die Osterwoche verbringen werden, während Anne mit einem alten Bekannten die Karibik-Küste bereist. Am Wochenende müssen wir uns dann wieder von Kolumbien verabschieden und auf geht es nach Venezuela.

Seid gespannt!

Hasta luego!

Ein Gedanke zu „Kaffee und Gold – Na, wo sind wir wohl gerade?

  1. Tobey sagt:

    großartig !!!!!

    wahnsinn was ihr in so kurzer zeit erlebt…..bleibt/werdet gesund und haut rein 😉

    euer Kanadischer FAN 😉

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